04.09.2020 15:39

5 Tote in Solingen Ermittler glauben, Mutter mischte Medikamente ins Essen

Die fünf tot aufgefundenen Kinder aus Solingen sind den Ermittlern zufolge vermutlich erstickt und zuvor sediert worden. Gegen die 27-jährige Mutter ist Haftbefehl erlassen worden.

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Der Tatort liegt im Solinger Stadtteil Hasseldelle.

Der Tatort liegt im Solinger Stadtteil Hasseldelle.

REUTERS
Die Leichen wurden in einem Mehrfamilienhaus entdeckt.

Die Leichen wurden in einem Mehrfamilienhaus entdeckt.

keystone-sda.ch
Die Grossmutter, die im 60 Kilometer entfernten Mönchengladbach lebt, soll die Polizei kurz vor 14 Uhr informiert haben.

Die Grossmutter, die im 60 Kilometer entfernten Mönchengladbach lebt, soll die Polizei kurz vor 14 Uhr informiert haben.

keystone-sda.ch

Darum gehts

  • In Solingen hat eine Mutter fünf ihrer Kinder umgebracht.
  • Später warf sich die 27-Jährige vor eine Zug und überlebte schwer verletzt.
  • Die Behörden informierten am Freitag zum Fall.

Am Donnerstag hat eine 27-jährige Mutter in Solingen fünf ihrer sechs Kinder umgebracht. Die Kinder wurden am Donnerstag in einer Wohnung in der Stadt im Bergischen Land gefunden – bei den Toten handelt es sich laut «Bild» um die 18 Monate alte M., die zweijährige L., den 6-jährigen T. und den 8-jährigen L. Einzig ein 11-jähriger Sohn der Frau überlebte – er befand sich zum Zeitpunkt der Tat in der Schule. Die 27-Jährige hatte sich später im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen und schwer verletzt überlebt. Gegen die 27-jährige Mutter sei Haftbefehl erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte den Haftbefehl wegen fünffachen Mordes beantragt.

Die Behörden informierten am Freitagnachmittag über die Tat. Bei allen fünf Kindern seien Hinweise auf ein Ersticken und eine vorherige Sedierung erkennbar, sagten die Ermittler an einer Pressekonferenz. Wie sich «Bild» auf Aussagen der Ermittler bezieht, habe die Mutter Medikamente ins Essen der Kinder gemischt. Gegen 11 Uhr soll sie die Kinder in ihre Betten gelegt haben. Es gebe keine Anzeichen für scharfe oder stumpfe Gewalt am Tatort.

Nach der Tat soll die Mutter in der Schule des Ältesten angerufen haben: «Unter einem Vorwand, einem Todesfall in der Familie, hat sie ihn aus der Schule geholt», so der Leiter der Mordkommission. Ob der Junge womöglich nur verschont worden sei, weil er zum Zeitpunkt der Tat in der Schule war, sei noch nicht geklärt. Mit ihrem Jungen sei die Mutter dann ins etwa 30 Kilometer entfernte Düsseldorf gefahren, wo sie ihn in einen Zug zu seiner Oma gesetzt haben soll. In einem schulischen Gruppenchat habe der Elfjährige kurz nach der Tat geschrieben, dass alle seine Geschwister tot seien, sagte Einsatzleiter Robert Gereci.

27-Jährige schickte SMS an Mutter

Zum Motiv konnten sich die Ermittler noch nicht genauer äussern. «Wir mutmassen, dass der ursprüngliche Grund aus der zerrütteten Ehe hervorgegangen ist», so die Ermittler. Die sechs Kinder stammen von verschiedenen Vätern. Diese sind derzeit nicht tatverdächtig.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Frau die Tat in einem Zustand der emotionalen Überforderung begangen habe. Zuvor habe sie ein Jahr von ihrem letzten Mann, dem Vater von vier ihrer Kinder, getrennt gelebt, sagte Maierhofer.

Kurz vor ihrem versuchten Suizid hat die 27-Jährige noch ein SMS an ihre Mutter geschickt. Sie betonte darin, wie schlecht es ihr gehe. Ausserdem schrieb sie: «Schick die Polizei in die Wohnung, die Kinder sind tot.»

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)


Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

(fur, SDA, roy)

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