05.12.2015 07:19

Versuchslabor geschlossenSchicksal Hunderter Hunde und Katzen ungewiss

Über 1000 Tiere befinden sich in einem Versuchslabor, das geschlossen wird. Laut Tierschützern sollen sie getötet werden. Die Firma hält sich bedeckt.

von
T. Bircher
Das Tierversuchslabor der Firma Elanco wird geschlossen. Was mit den 1000 Tieren passiert, ist ungewiss.

Das Tierversuchslabor der Firma Elanco wird geschlossen. Was mit den 1000 Tieren passiert, ist ungewiss.

Die Tierversuchsanstalt Elanco in St. Aubin im Kanton Freiburg wird auf Ende Jahr geschlossen. Die Basler Pharmafirma Novartis hat die Abteilung Tiergesundheit im April 2014 an das amerikanische Unternehmen Eli Lilly verkauft. Dieses hat nun angekündigt, das Zentrum in St. Aubin weiterzuverkaufen. Von den 80 Mitarbeitern, werden nur 27 weiter beschäftigt.

«Alle nicht adoptierten Tiere werden eingeschläfert »

Doch die Tiere, an denen dort Experimente für neue Mittel gegen Parasiten durchgeführt wurden, sind nun überflüssig – ihnen droht laut Tierschützern ein noch schlimmeres Schicksal. Insgesamt befinden sich derzeit über 1000 Tiere auf dem Gelände. Dazu gehören rund 170 Katzen, 350 Hunde, Kühe, Rinder, Schafe, Schweine, Mäuse und Ratten. Sie sollen eingeschläfert oder geschlachtet werden.

Eine ehemalige Elanco-Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, sagt auf Anfrage: «Die Geschäftsleitung hat intern kommuniziert, dass alle Katzen und Hunde, die nicht von Mitarbeitern adoptiert werden, eingeschläfert werden.» Sie habe deshalb zwei Katzen mit nach Hause nehmen wollen. Dies sei ihr von Seiten der Firma auch zugesichert worden. Nun aber habe sie nichts mehr gehört, die Katzen seien noch immer bei Elanco. Auf ihre Mails und Anrufe bekomme sie keine Antwort.

Plätze wären vorhanden, Firma reagiert nicht

Verschiedene Tierschutzorganisationen haben eine Petition lanciert. Dort sammeln sie Unterschriften, um für die Versuchstiere ein Zuhause zu finden. Der Jurassier Andy Beuchat, Präsident vom Mouvement d'action identitaire, einer politisch unabhängigen Gruppierung, hat am Samstag zudem eine Demonstration vor den Toren von Elanco organisiert. Mehrere hundert Personen seien zur Veranstaltung erschienen, sagt er.

«Wir haben nach vielen Gesprächen und Recherchen für praktisch alle Tiere ein Zuhause gefunden», so Beuchat. Alle Tierheime in der Romandie seien bereit, Hunde und Katzen aus dem Versuchslabor aufzunehmen. Mehrere Bauern hätten zudem zugesagt, den Kühen und Schafen ein Zuhause zu geben. Elanco sei darüber informiert, eine Antwort fehle aber bis heute, sagt Beuchat.

Mit Standardschreiben abgespeist

Maja Schmid von der Liga gegen Vivisektion hat sich ebenfalls für die Versuchstiere starkgemacht. «Ich bekomme aber immer nur ein Standardschreiben zurück, das kaum Informationen beinhaltet.» Sie habe keine Ahnung, in welchem Zustand die Tiere sich befänden, ob man sie überhaupt noch weitervermitteln könne oder ob und wie viele von ihnen lebenslang krank bleiben würden.

Veterinärin Julika Fitzi, Leiterin Fachstelle Tierversuche, Gentechnologie und Hunde vom Schweizer Tierschutz, hat mittlerweile sogar begonnen, selbst zu recherchieren. «Ich habe so ziemlich an jede E-Mail-Adresse geschrieben, die irgendetwas mit Elanco zu tun haben könnte.» Doch auch sie sei nur mit einem Standardschreiben abgespeist worden.

«Ich mache mir sorgen um die Tiere dort», so Fitzi. Viele könnten traumatisiert und unheilbar krank sein. Sie wolle von der Firma nur wissen, wie die Zukunftspläne für die Tiere konkret aussehen: Wie geht es ihnen? Wie viele werden eingeschläfert? Mit welcher Begründung? Und wie viele können vermittelt werden? «Mich stört es, dass sich Elanco weigert, Zahlen oder irgendwelche konkreten Informationen über den Zustand und die Zukunft der Tiere herauszugeben – das wirkt suspekt.»

«Adäquate Standorte gefunden»

Elanco-Sprecherin Maria Zampaliogne schreibt auf Anfrage von 20 Minuten dazu: «Die gute Behandlung und die Zukunft der Tiere sind für uns alle sehr wichtig. Die Tiere werden von einem engagierten Expertenteam betreut, zu dem Tierärzte, Ernährungsspezialisten und Tierpfleger gehören. Sie sind dem Wohlergehen der Tiere verpflichtet und handeln tagtäglich im Einklang mit unseren Unternehmensregeln und der Schweizer Gesetzgebung.»

Elanco habe für den weitaus grössten Teil der Tiere adäquate Standorte gefunden. Dies treffe auf alle Nutztiere, Haustiere und Fische zu. Mitarbeitenden mit Haustieren stehe zudem die Möglichkeit offen, Katzen des Standortes aufzunehmen.

Und weiter: «Elanco wird weiterhin sorgfältig mit den entsprechenden wissenschaftlichen Behörden zusammenarbeiten, um passende Lösungen für die verbleibenden Tiere zu finden.» Auf die Fragen, wie der Zustand der Tiere genau sei, wie viele eingeschläfert oder geschlachtet werden müssen und ob gewisse Tiere unheilbar krank oder traumatisiert sind, antwortete Zampaliogne nicht.

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