Maryna Striletska : Schiedsrichterin flüchtete vor Krieg in die Schweiz und nimmt nun an EM teil
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Maryna Striletska Schiedsrichterin flüchtete vor Krieg in die Schweiz und nimmt nun an EM teil

Maryna Striletska musste die Ukraine nach dem Angriff Russlands verlassen und fand Unterschlupf bei der Schwester in Basel. In der Schweiz bereitet sich die 38-Jährige auf ihr persönliches Highlight vor.

von
Adrian Hunziker
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Die ukrainische Schiedsrichter-Assistentin Maryna Striletska floh Mitte März wegen des Krieges in ihrem Heimatland in die Schweiz. 

Die ukrainische Schiedsrichter-Assistentin Maryna Striletska floh Mitte März wegen des Krieges in ihrem Heimatland in die Schweiz. 

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Hier bereitet sich die 38-Jährige auf die Frauenfussball-EM vor. 

Hier bereitet sich die 38-Jährige auf die Frauenfussball-EM vor. 

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Im letzten Oktober assistierte Striletska das WM-Qualispiel Andorra gegen England. 

Im letzten Oktober assistierte Striletska das WM-Qualispiel Andorra gegen England. 

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Darum gehts

Nun trainiert Schiedsrichter-Assistentin Maryna Striletska auf ihr persönliches Highlight hin: Die Fussball-EM der Frauen in England, die am 6. Juli startet. Wer hätte das noch vor vier Monaten gedacht? Da lebte die 38-Jährige mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter Eva in der Ukraine – und dann erfolgte der Angriff Russlands. Sie mussten sich vor den Bomben verstecken, lebten im Krieg. Bis die Sportlerin sich Mitte März entschied, mit ihrer elfjährigen Tochter zur Schwester nach Basel zu flüchten, ihr wehrpflichtiger Ehemann Sergiy blieb in der Heimat. Die Odyssee über Polen in die Schweiz dauerte vier Tage.  

Hier angekommen konnte sie sich auch wieder als Schiri-Assistentin engagieren. Im letzten Oktober hatte Striletska noch das WM-Qualispiel Andorra gegen England der Männer assistiert, nun stand sie seit März neunmal in der Promotion League, zweimal in der 1. Liga classic und einmal in der Axa Women’s Super League im Einsatz. «Die Spiele setzen vollen Fokus voraus. Oft passiert Unerwartetes, was für mich eine ausgezeichnete Vorbereitung auf die Frauen-EM ist», sagte sie dem Schweizer Fussballverband. 

Den Horror vergessen

Der Fussball hilft ihr auch, über das Erlebte hinwegzukommen. «Ich kann so den Horror, der sich in meinem geliebten Heimatland abspielt, wenigstens für zwei Stunden vergessen. Dann bin ich voll fokussiert auf Offside, Fouls und alles, was mit dem Spiel zu tun hat.» Striletska ist dem Verband sehr dankbar, dass sie hier ihrer Tätigkeit wieder nachgehen kann. Denn zuvor habe sie drei Wochen lang jeden Tag geweint. Sie habe vergessen, dass sie sich in der Fussballwelt befinde, sie habe nur über den Krieg nachgedacht. «Darum musste ich wieder als Assistentin auf den Platz zurück», zitiert sie Bbc.com

In der Ukraine hatte sie an den Wochenenden bei den Männer-Spielen der Premier League assistiert und an den Abenden coachte sie selber Mädchen-Teams. «Ich kann der Ukraine nicht helfen, da ich keine Soldatin bin, aber mit dieser Arbeit als Schiedsrichterin kann ich wenigstens einen kleinen Teil zum Frieden beitragen», sagte sie Bajour.ch. In der Schweiz sei sie sehr gut aufgenommen worden, auch auf dem Rasen, so Striletska. «Die Schiedsrichter sind sehr freundlich, versuchen auch in Situationen zu helfen, die nichts mit Fussball zu tun haben. Während der Spiele verstehen wir uns trotz unterschiedlicher Sprachen perfekt. Fussball ist als Sprache universal.»

Striletska wurde von der Uefa als Schiri-Assistentin für die EM aufgeboten, «ich war sehr glücklich über diese Nachricht, das ist ein unglaubliches Gefühl.» Sie darf auf Geheiss der Uefa aktuell aber keine Interviews geben, wie es auf Anfrage von 20 Minuten hiess. Welche Spiele Striletska in Sheffield oder Leigh assistieren wird, steht derzeit noch nicht fest. Das Schweiz-Team trifft an der Endrunde in der Gruppenphase auf Portugal, Schweden und die Niederlande. 

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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