Wahlen in Bangkok: Schiesserei vor Wahllokal
Aktualisiert

Wahlen in BangkokSchiesserei vor Wahllokal

Steine, Pistolen und Sturmgewehre: Einen Tag vor der umstrittenen Parlamentswahl in Thailand sind bei Zusammenstössen sieben Menschen verletzt worden.

Wenige Stunden vor der Parlamentswahl in Thailand ist es in der Hauptstadt Bangkok zu Ausschreitungen gekommen. Bei Zusammenstössen rivalisierender Demonstranten wurden mindestens sechs Menschen verletzt.

An einer Kreuzung, an der Regierungsgegner und - anhänger gefährlich nah aneinandergerieten, fielen nach Angaben von Augenzeugen Schüsse. Soldaten trennten die beiden Lager am frühen Abend.

Auch Fotograf verletzt

Unter den Verletzten war nach Medienberichten der US-Fotograf James Nachtwey. Das «Wall Street Journal» zitierte den preisgekrönten Kriegsfotografen in einem Südostasien-Live-Blog mit den Worten, er sei bei einem Schusswechsel in Bangkok von einer Kugel im Bein getroffen worden.

«Ich laufe jetzt. Es geht mir gut», sagte Nachtwey demnach. «Morgen kann ich wieder arbeiten.» In Bangkok demonstrieren seit Wochen Tausende Regierungsgegner. Sie wollen die Wahlen verhindern. Mit Strassenprotesten wollen sie die Menschen daran hindern, die 6000 Wahllokale in der Hauptstadt zu erreichen. Seit Beginn der Proteste im November sind zehn Menschen ums Leben gekommen.

Die Demonstranten werfen der 2011 gewählten Regierungschefin Yingluck Shinawatra und ihrer sehr reichen Familie vor, sich die Macht im Land ergaunert zu haben. Sie hätten sich Wähler, Politiker und Institutionen mit Schmiergeld und Gefälligkeiten gefügig gemacht. Die Opposition verlangt zuerst politische Reformen unter einer ungewählten Übergangsregierung, dann Wahlen.

Yingluck verspricht Reformen

In 28 von 375 Wahlkreisen haben die Demonstranten die Registrierung von Kandidaten und vielerorts die Auslieferung der Wahlzettel verhindert. Damit steht bereits fest, dass vor der konstituierenden Sitzung des Parlaments zahlreiche Nachwahlen nötig sind.

Regierungschefin Yingluck bekräftigte am Samstag ihr Versprechen politischer Reformen direkt nach den Wahlen. Sie rief die knapp 50 Millionen Wahlberechtigten auf, ihre Stimme abzugeben.

Ein Boykott, wie ihn die Opposition verkündet hat, bringe nichts. «Die Wahlen zu verschieben hiesse nur, unsere Probleme zu verschieben», sagte die 46-Jährige. «Nach den Wahlen werden wir wie von den Demonstranten verlangt einen Reformprozess starten.» (sda)

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