Aktualisiert 24.06.2004 16:32

Schiesst Wayne Rooney auch Portugal ins Elend?

Der seit dem Triumph gegen Spanien euphorisierte Gastgeber Portugal empfängt um 20.45 Uhr beim ersten EM-Viertelfinal England, die Mannschaft der grenzenlosen Zuversicht und mit dem Titelanspruch.

Ausgerechnet jene zwei Teams, die vor knapp zwei Wochen mit schwer verdaulichenen Niederlagen ins Turnier gestartet waren, begegnen sich in alter Stärke im "Stadion des Lichts" in Lissabon. Portugal liess sich beim Auftakt von den Griechen überraschen, derweil England der Erfolg gegen die Franzosen im ersten Spiel buchstäblich in letzter Minute entglitten war. Der Weg in die Runde der letzten acht entwickelte sich für beide Kontrahenten zu einem einzigen Steigerungslauf.

Auf einen Sieg gegen Spanien hatten die Lusitaner 23 Jahre lang warten müssen. Der Halbfinal-Vorstoss auf EM-Ebene liegt weniger weit zurück. 2000 scheiterten die Portugiesen erst am nachmaligen Europameister Frankreich. Nun kann die nach dem frühen WM-Aus vor zwei Jahren schwer kritisierte Auswahl Verpasstes nachholen. Talent zum Coup ist genügend vorhanden. Das defensive Gerüst bilden die Champions-League-Sieger aus Porto. Im Mittelfeld steht seit dem missglückten EM-Einstand der geniale Deco am Schalthebel. Vorne greift mit Cristiano Ronaldo, dem neben Wayne Rooney auffälligsten Stürmer des Turniers, und dem "Rückkehrer" Nuno Gomes, der den wirkungslosen und zudem gesperrten Pauleta ersetzt, ein Duo von ausserordentlicher Qualität an. Und an der Linie steht Luiz Felipe Scolari - der Weltmeister aus Brasilien.

Englands Fussballer kümmert die Optik der Gastgeber wenig. Sie fühlen sich bereit. Sie denken, die Zeit sei endgültig reif, 38 Jahre nach dem WM-Finalsieg im eigenen Land den Bann zu brechen. Wer die Engländer beim 4:2 gegen Kroatien sah, widerspricht ihrem Anspruch gewiss nicht. Die offenbar von den Spielern selber angeregte Umstellung auf ein "flaches" 4-4-2 hat sich bewährt. Frank Lampard und Steven Gerrard spielen im Zentrum der Mittelfeldachse einen starken Part. Der Schlüssel für den Gegner wird sein, diese Relais-Station auszuschalten.

In der Defensive um den Muskelmann Sol Campbell sind die Engländer mehrheitlich perfekt gruppiert. Ein Fragezeichen ist indes wieder einmal hinter dem Torhüter David James zu platzieren. Dem Keeper von Manchester City ist nicht blind zu vertrauen; er neigt zu unbedachten Aktionen. Ganz anders als auf der hintersten Position präsentiert sich die Situation an vorderster Stelle: Wayne Rooney hat sich mit vier Toren in den Mittelpunkt geschossen. Vom Wirkungskreis des 18-jährigen Everton-Stürmer hängt enorm viel ab. Sven-Göran Eriksson hat Rooney bereits mit dem jungen Pelé verglichen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Portugal - England

Estadio da Luz, Lissabon. -- 20.45 Uhr. -- SR Meier (Sz).

Portugal: 1 Ricardo; 13 Miguel, 16 Carvalho, 4 Andrade, 14 Nuno Valente; 6 Costinha; 7 Figo, 20 Deco, 18 Maniche; 17 Ronaldo, 21 Nuno Gomes.

England: 1 James; 2 Gary Neville, 5 Terry, 6 Campbell, 3 Cole; 7 Beckham, 4 Gerrard, 11 Lampard, 8 Scholes; 10 Owen, 9 Rooney.

Bemerkungen: Portugal ohne Pauleta (gesperrt).

(si)

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