Schiesswütige Cowboys am Pranger

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Schiesswütige Cowboys am Pranger

Hunderte US-Diplomaten verlassen sich auf sie. Geht es nach dem Willen von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, haben private US-Sicherheitstruppen im Irak bald nichts mehr zu suchen.

Eine Schiesserei in einem Bagdader Viertel hat sie ins Zwielicht gebracht. Weil es nicht der erste blutige Zwischenfall ist, hat Al-Maliki der Firma Blackwater aus North Carolina die Lizenz entzogen, droht sogar mit Strafmassnahmen gegen die Amerikaner.

Die US-Regierung ist besorgt. Denn angesichts extremer militärischer Personalknappheit hat sie sich insbesondere beim Schutz ihres Botschaftspersonals und politischer Besucher im Irak stark auf diese schwer bewaffnete «Privatarmee» gestützt, die in Bagdad sogar eine Hubschrauberflotte unterhält.

Noch vor wenigen Tagen hatte der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, in einer Kongressanhörung in Washington nur wärmste Worte für die Schutztruppe, die auch für seine eigene Sicherheit sorgt. Auch US-Truppenkommandant David Petraeus war des Lobes voll.

Nach Kongressunterlagen vom Juli beschäftigt Blackwater im Irak als US-Vertragspartner knapp 1000 Mitarbeiter hauptsächlich als Leibwächter. Etwa 800 Millionen Dollar hat sich die US-Regierung nach Medienberichten den Service des Unternehmens bisher kosten lassen.

Unklarer Status

Insgesamt sollen sich 20 000 private Personenschützer verschiedener Firmen im Irak im Dienst der USA befinden und zum Teil auch direkt am Kampf gegen Rebellen und Terroristen teilnehmen. Ihr Status, so hat Al-Maliki inzwischen gedroht, solle nun genau unter die Lupe genommen werden.

Die Umstände der Schiesserei, die den Regierungschef auf die Barrikaden brachte, sind noch unklar. Nach Darstellung einer Firmensprecherin wurde ein Konvoi von Geländewagen mit US-Diplomaten im Westen Bagdads angegriffen und die begleitenden Blackwater-Leibwächter feuerten zurück. Sie hätten pflichtgemäss gehandelt. Nach irakischen Augenzeugenberichten gab es keinen Angriff.

Rice telefoniert mit Al-Maliki

Das US-Aussenministerium sagte eine gründliche Untersuchung zu und Ministerin Condoleezza Rice griff eigens zum Telefon, um Al-Maliki zu versichern, dass die privaten Personenschützer keine schiesswütigen Cowboys seien.

Der «Los Angeles Times» zufolge ist es indes nicht das erste Mal, dass die oft als moderne Söldner bezeichneten privaten Leibwächter ins Zwielicht geraten seien - insbesondere Mitarbeiter von Blackwater. Allein seit dem vergangenen Jahr seien Firmenangestellte in mehrere dubiose Schiessereien verwickelt gewesen.

Niemand zur Rechenschaft gezogen

Belangt wurde aber niemand. Denn die privaten Personenschützer tummeln sich in einer juristischen Grauzone. 2003 stellte der damalige US-Verwalter im Irak, Paul Bremer, sicher, dass sie nicht vor irakische Gerichte gestellt werden können. Und diese Immunität gilt weiter, auch wenn sich diese Sicherheitskräfte beim Bagdader Innenministerium registrieren lassen müssen.

Auch die US-Militärjustiz ist für diese Schutztruppen nicht zuständig. Bleiben nur noch die amerikanischen Zivilgerichte, aber wie US-Medien betonen, hat es bisher noch keine einzige Strafverfolgung eines privaten Personenschützers aus dem Irak auf US-Boden gegeben.

Auch in US-Regierungskreisen gibt es Kritik an diesem rechtlosen Raum. In der Vergangenheit sei es wiederholt vorgekommen, dass «Fehltritte» privater Sicherheitskräfte unter den Teppich gekehrt worden seien, zitiert die «Los Angeles Times» namentlich nicht genannte US-Regierungsbeamte. Es fehle an Kontrolle und Aufsicht.

(sda)

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