Aktualisiert 15.07.2010 12:49

Gaza

Schiff für Gaza läuft in Ägypten ein

Verwirrspiel im Mittelmeer: Nach wiederholten Warnungen der israelischen Marine hat ein von Libyen gechartertes Schiff mit Hilfsgütern für den Gazastreifen schliesslich Ägypten erreicht.

Auf der Aufnahme vom 13. Juli ist die Besatzung der "Amalthea" sichtbar.

Auf der Aufnahme vom 13. Juli ist die Besatzung der "Amalthea" sichtbar.

Am Mittwochabend dockte der Frachter «Amalthea» nach widersprüchlichen Signalen betreffend seines Zielortes im Hafen von Al-Arisch an. Nach Angaben der Hafenverwaltung sollen nun die Medikamente und Nahrungsmittel von Bord gebracht und über den Grenzübergang Rafah von Ägypten in den Gazastreifen gebracht werden. Die restlichen Waren sollen über den von Israel kontrollierten Grenzposten Kerem Schalom zu den Palästinensern transportiert werden.

Das Schiff wollte ursprünglich die Seeblockade vor dem Gazastreifen brechen. Die befürchtete Konfrontation mit Israel blieb nach der Kursänderung aus.

Mehrere Boote der israelischen Marine waren dem Hilfsschiff nach Angaben eines Armeesprechers in Sichtweite gefolgt. Israel wollte verhindern, dass die Crew der «Amalthea» in letzter Minute doch noch in Richtung des Gazastreifens abdreht. Israel will das Schiff nach Medienberichten auch dann noch im Auge behalten, wenn es in Al- Arisch andockt.

Trotzdem Punkte erzielt

Am frühen Abend hatte auch die libyschen Gaddafi-Stiftung mitgeteilt, dass der Frachter die geladenen Hilfsgüter nach Al- Arisch bringen werde, um die Sicherheit der Menschen an Bord nicht zu gefährden. Im Kampf für die Anliegen der Palästinenser seien dennoch «Punkte erzielt» worden.

Im Verlauf des Tages hatte die Gaddafi-Stiftung, in dessen Auftrag der Frachter unterwegs ist, noch öffentlich an ihrem Vorhaben festgehalten, die «Amalthea» den Gazastreifen ansteuern zu lassen.

An Bord der «Amalthea» sind 12 Mann Besatzung und 15 propalästinensische Aktivisten. Sie wollten die Hilfsgüter ursprünglich direkt nach Gaza bringen. Die israelische Marine warnte die Besatzung jedoch mehrfach, die Seeblockade vor dem Gazastreifen zu brechen.

Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija hatte noch am Nachmittag die Aktivisten auf der «Amalthea» aufgerufen, sich nicht von der israelischem Marine beeindrucken zu lassen. Er forderte zudem weitere «Freiheits-Flotten» für den Gazastreifen. «Die Konvois über See und Land müssen fortgesetzt werden.»

Funkkontakt vorübergehend unterbrochen

Das Schiff hatte Israel lange Rätsel aufgegeben. Zwar änderte der Kapitän am späten Dienstagabend auf Anweisung der israelischen Marine den Kurs in Richtung Ägypten. Der Frachter dümpelte dann aber die Nacht hindurch im Mittelmeer vor sich hin. Der Kapitän gab an, dass ein Maschinenschaden repariert werden müsse.

Auch der Funkkontakt ging nach israelischen Armeeangaben am Mittwochmorgen vorübergehend verloren. Die «Amalthea» setzte dann am Mittwochmittag ihre Fahrt zunächst zügig fort, verlangsamte aber das Tempo plötzlich wieder vor den ägyptischen Territorialgewässern.

Offenbar indirekte Gespräche

Israel und die Stiftung von Saif al-Islam Gaddafi, einem Sohn des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi, hatten nach Informationen der überregionalen arabischen Tageszeitung «Asharq Alawsat» in indirekten Gesprächen versucht, eine Einigung in dem Streit zu erreichen.

Es handelt sich um den dritten Versuch innerhalb von sechs Wochen, die Seeblockade vor Gaza zu brechen. Bei der gewaltsamen Übernahme eines türkischen Passagierschiffes am 31. Mai hatten israelische Elitesoldaten neun Türken getötet und 45 weitere Passagiere verletzt. (sda)

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