Bedrohte Meeressäuger: Schiffe rammen Wale viel öfter als angenommen
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Bedrohte MeeressäugerSchiffe rammen Wale viel öfter als angenommen

Von wegen unendliche Weite: Im Meer ist mehr los, als man denkt. Und das kann traurige Folgen haben, wie US-Forscher zeigen.

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Buckelwale sind imposante Tiere. Kaum vorstellbar, dass ihnen irgendetwas gefährlich werden könnte.

Buckelwale sind imposante Tiere. Kaum vorstellbar, dass ihnen irgendetwas gefährlich werden könnte.

epa/Jose Jacome
Doch es gibt tatsächlich eine Bedrohung: Denn Buckelwale kommen nicht nur Segelbooten gefährlich nahe, ...

Doch es gibt tatsächlich eine Bedrohung: Denn Buckelwale kommen nicht nur Segelbooten gefährlich nahe, ...

Keystone/AP/Channel Nine
... sondern auch grösseren Schiffen.

... sondern auch grösseren Schiffen.

epa/Marpac Handout

Nicht immer haben Wale so viel Glück wie jenes Exemplar, das im Mittelmeer von mutigen Seemännern aus einem Fischernetz gerettet wurde (siehe Video unten). So tragen viele Wale bei Zusammenstössen mit Schiffen zum Teil tödliche Verletzungen davon, wie eine im Fachjournal «Marine Mammal Science» veröffentliche Studie zeigt.

Laut dieser stossen Wale offenbar wesentlich häufiger mit Kähnen zusammen als bislang angenommen. Die Untersuchung von 624 Buckelwalen im Golf von Maine ergab, dass sich mindestens 15 Prozent der Tiere bei Zusammenstössen mit Schiffen oder Booten verletzt hätten.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Die Wissenschaftler hatten für die Studie mehr als 200'000 Fotos ausgewertet, die über einen Zeitraum von neun Jahren aufgenommen worden waren. Sie entdeckten an den Walen Verletzungen und Narben, die von Schiffen stammen.

Die Zahl der Kollisionen sei wahrscheinlich noch höher, weil die dabei getöteten Wale nicht erfasst wurden, erklärten die Forscher. Untersuchungen vor Alaska hatten ergeben, dass zwischen 1978 und 2011 knapp ein Viertel der Wale nach bekanntgewordenen Zusammenstössen mit Schiffen verendet waren.

Lösung offen

Wale ziehen jedes Frühjahr vor den Küsten der US-Staaten Maine, New Hampshire und Massachusetts nach Norden, wo sie Nahrung finden. «Zusammenstösse sind eine ernste Gefahr, sowohl für Wale als auch für Bootsleute», sagt Alex N. Hill, der Autor der Studie. Langfristige Studien könnten zeigen, wie die Wale am besten zu schützen wären. Möglicherweise müsse der Schiffsverkehr in einigen Regionen zeitweise eingeschränkt werden.

Die Auswirkungen eines solchen Schrittes sind jedoch umstritten. Zwar ergab 2014 eine Untersuchung zu 171 Blauwalen im Nordpazifik, dass veränderte Schiffsrouten die Zahl der Zusammenstösse verringern könne, doch schrieb das Journal «Marine Mammal Science» damals, dass dies nur wenig Einfluss auf den Blauwalbestand haben werde. Allerdings sind Blauwale wesentlich grösser als Buckelwale.

Tankerbesatzung rettet Wal

Ein Wal kämpft in einem Fangnetz mit dem Tod. Algerische Seemänner eilen ihm zu Hilfe. Video: Tamedia

Glück für Wal: Die algerische Besatzung des Tankers Cheikh El Mokrani rettet ihn. (Video: Tamedia) (fee/sda)

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