Aktualisiert 21.11.2017 07:33

Zürcher KantonsratSchiffs-Fünfliber wird doch nicht abgeschafft

Trotz Empörung in den Seegemeinden und deutlichem Rückgang der Passagierzahlen: Der Zürcher Kantonsrat schafft den Schiffsfünfliber vorerst nicht ab.

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Die Gastronomie der Zürichsee-Schifffahrts-Gesellschaft (ZSG) musste aufgrund von Umsatzeinbussen von 20 bis 30 Prozent rund ein Viertel der Angestellten entlassen.

Die Gastronomie der Zürichsee-Schifffahrts-Gesellschaft (ZSG) musste aufgrund von Umsatzeinbussen von 20 bis 30 Prozent rund ein Viertel der Angestellten entlassen.

Keystone/Alessandro Della Bella
Grund dafür ist der Rückgang an Passagieren um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Direktor der ZSG, Roman Knecht, nimmt an, dass der Rückgang «zu einem grossen Teil auf den Schiffszuschlag von fünf Franken zurückzuführen ist».

Grund dafür ist der Rückgang an Passagieren um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Direktor der ZSG, Roman Knecht, nimmt an, dass der Rückgang «zu einem grossen Teil auf den Schiffszuschlag von fünf Franken zurückzuführen ist».

Keystone/Steffen Schmidt
Eine dringliche Initiative von mehreren Seebuben im Kantonsrat soll Verkehrsministerin Carmen Walker Späh nun drängen, innert vier Wochen Farbe zu bekennen. Als Präsidentin des Verkehrsrates hätte sie es in der Hand, den Zuschlag abzuschaffen.

Eine dringliche Initiative von mehreren Seebuben im Kantonsrat soll Verkehrsministerin Carmen Walker Späh nun drängen, innert vier Wochen Farbe zu bekennen. Als Präsidentin des Verkehrsrates hätte sie es in der Hand, den Zuschlag abzuschaffen.

Keystone/Walter Bieri

Mit 91 Nein- zu 74 Ja-Stimmen bei 10 Enthaltungen entschied der Kantonsrat am Montag, ein dringliches Postulat zur sofortigen Abschaffung des Schiffszuschlages nicht zu überweisen. Dieser Zuschlag, der die defizitäre Schifffahrt auf Zürichsee und Limmat etwas rentabler machen soll, wurde erst im Januar 2017 eingeführt.

Das dringliche Postulat stammte von Kantonsräten von SP, EVP und BDP, die alle am See wohnen. Sie konnten in den vergangenen Monaten mit eigenen Augen beobachten, wie die Schiffe zunehmend leerer über den See kreuzten. Sogar von «Geisterschiffen» war die Rede.

«Fast eine halbe Million weniger Passagiere sollten eine Warnung sein», sagte der SP-Sprecher. Gleicher Meinung war der BDP-Sprecher, auch er ein «Seebueb», wie man im Kanton Zürich die Bewohner der Seegemeinden nennt. Was er von Passagieren und Personal über den Zuschlag zu hören bekomme, sei nicht druckreif.

«Seebuebe» und «Seemeitli»

Die Fraktion der «Seebuebe» und «Seemeitli» - unterstützt von SP, EVP, CVP, der AL und Teilen der Grünen - setzte sich jedoch nicht durch. Eine Mehrheit, bestehend aus FDP, grossen Teilen der SVP, GLP und EDU stimmte gegen das dringliche Postulat.

Die Schifffahrt sei nicht gratis, sagte der FDP-Sprecher aus Hausen am Albis, also kein «Seebueb». Die Schifffahrtsgesellschaft ZSG habe einen Deckungsgrad von miserablen 37 Prozent. Von Anfang an sei klar gewesen, dass man mit dem Schiffsfünfliber keinen Publikumspreis gewinne. Ihn aber jetzt schon wieder abzuschaffen, sei unseriös.

Der SVP-Sprecher aus Dänikon, ebenfalls nicht am See wohnhaft, erinnerte daran, dass die Schiffe nicht zur Erschliessung der Gemeinden gedacht seien, dafür gebe es Bahn und Bus. «Ein Schiff ist ein subventioniertes Freizeitangebot.»

Blauer See, rote Zahlen

Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) appellierte mit Fakten an die «Seebuebe» und «Seemeitli». Der See möge blau schimmern, aber die Zahlen der ZSG seien leider tiefrot.

Jedes Jahr entstehe ein Defizit von 12 Millionen Franken. Für jeden Franken, den jemand für ein Schiffs-Billett ausgebe, zahle die Allgemeinheit heute zwei Franken obendrauf. Der Schiffsfünfliber sei deshalb notwendig, auch wenn er keine Freude mache.

Anfang 2018 will Walker Späh die detaillierten Zahlen der vergangenen zwölf Monate publizieren. Doch auch wenn diese schlecht ausfallen sollten: Die Regierung will am Zuschlag festhalten, denn bis sich dieser etabliert habe, dauere es sicher drei Jahre.

(sda)

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