Aktualisiert 05.07.2012 23:42

Bootsraser vom Bielersee«Schiffsschrauben sind wie Waschmaschinen»

Auch zwei Jahre nach dem Unfall auf dem Bielersee, bei dem Angela A. getötet wurde, bleiben viele Fragen offen. Christof Scheurer von der Staatsanwaltschaft erklärt das komplexe Verfahren.

von
feb

Entsetzliches ereignete sich am 11. Juli 2010 auf dem Bielersee. Stephan F. und Angela A. waren auf einem kleinen Gummiboot von der St. Peterinsel unterwegs in Richtung Lüscherz, als ein Motorboot auf sie zuraste. Beide sprangen ins Wasser, das Boot überfuhr die 24-Jährige, ihre Beine wurden von der Motorschraube zerfetzt. Angela A. erlag ihren Verletzungen, ihr Freund überlebte unverletzt.

Fast zwei Jahre später stehen die Untersuchungen vor dem Abschluss. Das Verfahren war äusserst kompliziert – mehrere, teils aufwändige Gutachten, wurden bei externen Stellen in Auftrag gegeben. So nahmen sich die Fahnder des Kriminaltechnischen Instituts in Wiesbaden (KTI) dem Fall an. Christof Scheurer, Infobeauftragter der Staatsanwaltschaft: «Ein Unfall zu Wasser ist in Bezug auf die Spurensicherung- und auswertung etwas ganz anderes als ein Unfall auf dem Land; im Wasser werden Spuren viel schneller vernichtet.» Deshalb seien die Verfahren ungleich schwieriger und nur mit hochmodernen Maschinen möglich, wie sie die Deutschen Fahnder besitzen.

Erschwerend im Fall des Seerasers ist zudem, dass das Boot des mutmasslichen Täters U.T. relativ spät nach dem Vorfall gefunden wurde. In der Zeit zwischen dem Unfall und der Sicherstellung des Bootes kann laut Scheurer viel passiert sein, allfällige Spuren an der Schiffsschraube seien rasch weg. «Eine Schiffsschraube ist wie eine Waschmaschine.»

Kommt es zur Anklage?

Ende Juli wird die Schlusseinvernahme mit 75-Jährigen U.T. durchgeführt. «Dabei wird es darum gehen, den Beschuldigten nochmals – im Sinne einer Gesamtschau – mit sämtlichen gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu konfrontieren und ihn abschliessend dazu Stellung nehmen zu lassen.» Anschliessend wird er Gelegenheit für allfällige Beweisanträge erhalten. Ob dies der Fall sein wird, sei schwierig zu sagen. «Ich weiss nicht, ob der Anwalt des Beschuldigten aufgrund des erst jetzt fertiggestellten Gutachtens noch etwas einbringen wird», sagt Scheurer.

Am Ende des Verfahrens wird definitiv entschieden, ob gegen U.T. effektiv Anklage erhoben wird. Kommt es aber soweit, ist der Antrag de Staatsanwaltschaft klar: Der Beschuldigte dürfte sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen.

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