Schiiten fordern Todesstrafe für Saddam
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Schiiten fordern Todesstrafe für Saddam

In Bagdad riefen die Protestierenden «Saddam ist kein Kriegsgefangener, sondern ein Kriegsverbrecher» und «Todesstrafe für Saddam».

In Bagdad und Basra haben am Dienstag erneut Tausende von Schiiten für baldige Wahlen demonstriert. Zudem forderten sie die Übergabe des früheren Präsidenten Saddam Hussein an die irakische Justiz. Dieser befindet sich seit seiner Festnahme Mitte Dezember in amerikanischem Gewahrsam.

Die Teilnehmer des Protestmarsches in Bagdad, die am zentralen Firdaus-Platz endete, waren einem Aufruf des jungen radikalen Schiitenpredigers Muktada el Sadr gefolgt.

Kriegsverbrecher

Scheich Kais el Chasali, einer der Gefolgsleute El Sadrs, sagte: «Es ist legitim zu fordern, dass Saddam als Kriegsverbrecher und nicht als Kriegsgefangener behandelt wird, da er Verbrechen gegen das irakische Volk und mehrere Nachbarstaaten begangen hat.»

Nach seinen Angaben beteiligten sich an der Demonstration auch Mitglieder der im provisorischen Regierungsrat vertretenen Dawa- Partei sowie der Badr-Brigaden (bewaffneter Arm des Hohen Rates für die Islamische Revolution in Irak).

Am Montag hatten mehr als 100 000 Anhänger von Grossajatollah Ali el Sistani bei einem Protestzug durch die irakische Hauptstadt ebenfalls allgemeine Wahlen noch in diesem Jahr gefordert.

UNO prüft Möglichkeiten

In der Zwischenzeit erwägt UNO-Generalsekretär Kofi Annan die Entsendung eines Expertenteam in den Irak. Die UNO-Leute könnten die Möglichkeit von Wahlen vor einer Machtübergabe Ende Juni erkunden, sagte Annan nach den Irak-Gesprächen am Montagabend mit US-Zivilverwalter Paul Bremer und Vertretern des irakischen Regierungsrates.

Nach dem Treffen in New York bezeichnete Annan die Stabilität in Irak als Angelegeheit aller; vor eine Entsendung stellte er aber die Klärung weiterer «technischer Fragen».

Laut Annan soll vor einer möglichen Rückkehr der Weltorganisation ein vierköpfiges Team die Sicherheitslage in Irak prüfen. Bei einem Bombenanschlag am 19. August gegen das UNO- Hauptquartier waren 22 Menschen getötet worden, unter ihnen der UNO- Sonderbeauftrage Sergio Vieira de Mello.

Die UNO stand der US-geführten Intervention in Irak ablehnend gegenüber und fordert Klarheit über ihre mögliche künftige Rolle in Irak sowie mehr Einfluss nach einer Übergabe der Souveränität.

Resignation und Hoffnung

Auf den Strassen Bagdads wurde die Aussicht auf eine Rückkehr der Vereinten Nationen begrüsst. «Wir brauchen ihre Erfahrung. Sie haben in vielen Ländern bei Wahlen geholfen», sagte ein 50-Jähriger auf einem Markt gegenüber des UNO-Gebäudes in Bagdad, dem die Spuren des Anschlags vom August noch anzusehen sind.

Ein anderer forderte, die UNO müssten eine führende Rolle übernehmen: «Sie sollten zurückkehren, um die Machtübergabe zu organisieren.» Doch es gab auch kritische Stimmen. «Wenn die UNO zurückkehrt, wird es nichts ändern», sagte ein 23-Jähriger. «Sie können den Amerikanern nicht ihren Willen aufzwingen.»

(sda)

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