Schiiten und Sunniten im Irak
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Schiiten und Sunniten im Irak

Für den Bombenanschlag auf die Goldene Moschee in Samarra, eines der wichtigsten schiitischen Heiligtümer im Irak, machen Schiiten fundamentalistische Wahhabiten verantwortlich - eine streng-orthodoxe Richtung des sunnitischen Islam.

Weltweit sind die Schiiten gegenüber den Sunniten in der Minderheit. Im Irak stellen die unter dem früheren Staatschef Saddam Hussein jahrzehntelang benachteiligten Schiiten jedoch die Bevölkerungsmehrheit.

Von etwa 22 Millionen Irakern gehören Schätzungen zufolge etwa zwei Drittel der schiitischen Glaubensrichtung an. Offizielle Angaben liegen nicht vor. Im Iran ist der Schiismus Staatsreligion.

Streit um Nachfolge Mohammeds

Die Abspaltung der Schiiten geht auf einen Streit um die Nachfolge des Religionsstifters Mohammed im 7. Jahrhundert zurück, als die Anhänger des vierten Kalifen Ali die «Schiat Ali» (Partei Alis) bildeten.

Militärisch unterlagen die Anhänger der Familie Alis; ihrer Niederlage wird bis heute mit alljährlichen Trauerfeiern gedacht. Die Unterschiede zu den «rechtgläubigen» Sunniten, die ursprünglich nur die politische Führungsstruktur und die Legitimität der geistlichen Führung betrafen, vertieften sich im Lauf der Zeit durch abweichende Lehrinhalte und Rituale im schiitischen Islam.

Schiitischer Fundamentalismus

Der schiitische Fundamentalismus, der die westlich-moderne Trennung zwischen säkularer und religiöser Sphäre aufhebt und politische Macht anstrebt, ist eine neuere Entwicklung im schiitischen Islam.

Er gelangte erstmals mit der Machtübernahme durch Ayatollah Khomeini im Iran 1979 zum Erfolg, wo 95 Prozent der Bevölkerung Schiiten sind. Im Iran steht der religiöse Führer Ayatollah Chamenei als höchste Autorität noch über dem Präsidenten.

Sunniten und Wahhabiten

Dagegen berufen sich die Sunniten auf die Doktrinen und Normen, wie sie in der Sunna, der zweiten überlieferten Glaubensquelle des Islams neben dem Koran, zusammengefasst sind. Eine streng-orthodoxe Richtung des sunnitischen Islam ist der Wahhabismus, der in Saudi- Arabien Staatsdoktrin ist.

Die Wurzeln der saudiarabischen Königsdynastie reichen bis ins 18. Jahrhundert, als sich der Wüstenherrscher Mohammed ibn Saud mit dem Geistlichen Mohammed ibn Abdel Wahhab zusammentat, der die Rückkehr zur «reinen Lehre» des sunnitischen Islams mit dem Schwert vorantrieb.

Seit Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts geriet ein Teil des wahhabitischen Klerus in Saudi-Arabien zunehmend in Opposition zum Königshaus. Die Aktivitäten von Osama bin Laden und anderer Wahhabiten waren auch der Versuch, ihre rigorose Auslegung der Glaubenslehren innerhalb des Islam weiter zu verbreiten. (sda)

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