Obama reagiert: Schikanöse Einreise schreckt USA-Besucher ab
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Obama reagiertSchikanöse Einreise schreckt USA-Besucher ab

Tausende Touristen klagen über den Spiessrutenlauf bei der Einreise auf Amerikas Flughäfen. Jetzt will Präsident Obama höchstpersönlich Abhilfe schaffen.

von
Martin Suter

Das internationale Terminal 4 auf dem Flughafen John F. Kennedy in New York mag modern aussehen. Doch der Gang vom Fingerdock zur Einreisehalle, durch Passkontrolle und Zollabfertigung gleicht oft einem Spiessrutenlauf von ungewisser Dauer.

Es ist eine Lotterie: Je nachdem wie viele Grossraumflugzeuge aus Übersee gleichzeitig entladen werden, drohen den ermatteten Reisenden höchst unterschiedliche Wartezeiten. Manchmal können sie die mit Bändern abgesteckten Gatter vor den Abfertigungsschaltern in einer Viertelstunde durcheilen oder sie stecken in Schlangen, die sich nur im Zeitlupentempo bewegen, bis zwei Stunden lang fest.

«Wie in einem Drittweltflughafen»

Die Verhältnisse bei der Ankunft in Städten wie New York oder Washington fallen im internationalen Vergleich stark ab. Wie der «Daily Telegraph» diese Woche in einem Meinungsartikel feststellte, sind beispielsweise im Londoner Gatwick Airport sowohl Einreiseservice wie das Angebot von Restaurants und Läden um Kategorien besser. Die amerikanischen Missstände werden auch von offizieller Seite kritisiert. Im New Yorker La Guardia Airport komme sich jemand mit verbundenen Augen «wie in einem Drittweltflughafen» vor, sagte im Februar Vizepräsident Joe Biden.

Der Ärger bei der Immigration schlägt auf die Reiselust. Im vergangenen Jahr haben zwar 70 Millionen ausländische Touristen die USA besucht, was einem bisherigen Rekord gleichkommt. Nach einem Bericht des ARD-Radios würden aber 40 Prozent der dazu befragten Amerikabesucher eine USA-Reise nicht weiterempfehlen – vor allem wegen der beschwerlichen Einreisebedingungen.

Ziel: 100 Millionen Besucher

Weil er die Förderung des Tourismus auf seine Fahnen geschrieben hat, will Präsident Barack Obama jetzt schnellere Abfertigungen durchsetzen. Letzte Woche unterzeichnete er ein Memorandum, worin er Massnahmen zur Erleichterung der Einreise an Flughäfen vorschlägt. Das Ziel: Bis 2021 sollen jährlich 100 Millionen Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland in die USA kommen, zum amerikanischen Bruttosozialprodukt beitragen und Hunderttausende von zusätzlichen Arbeitsplätzen im Tourismus schaffen.

Das Muster für bessere Verhältnisse an Flughäfen geben die Airports Chicago O'Hare und Dallas Fort Worth ab. Dort hätten Verbesserungen wie automatisierte Passkontrollen die Wartezeiten bei der Einreise innert eines Jahres um 40 Prozent verkürzt, schreibt das Weisse Haus in einem Zwischenbericht zur Tourismusstrategie. Die Zahl jener Besucher, deren Einreise sich mehr als eine halbe Stunde verzögere, habe halbiert werden können.

Weiterhin Fotos und Fingerabdrücke

Dramatische Veränderungen an Haupteinreisepforten wie New York werden aber wohl auf sich warten lassen. Die automatisierte Passkontrolle kommt zum Beispiel nur für Einheimische und Kanadier in Frage. Als Folge der hohen Sicherheitsanforderungen nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 werden alle anderen Touristen weiterhin ihre Pässe einem Immigrationsbeamten zur Abstempelung vorzeigen, sich fotografieren lassen und die Abdrücke ihrer Finger hinterlassen.

Weitere Massnahmen sollen erst entwickelt werden. Obama beauftragte die Minister für Handel und Landessicherheit, sich mit der Flugindustrie zusammenzutun, um Aktionspläne zu entwerfen. Unter anderem sollen Engpässe beim uniformierten Sicherheitspersonal durch den Beizug von privaten – und billigeren – Arbeitskräften behoben werden.

Amerika müsse als Reiseziel attraktiver werden, sagte Obama in Cooperstown, New York. «Wenn die Leute weniger Zeit am Airport verbringen, kommen sie eher wieder zurück. Und wenn sie nach Hause gehen, sagen sie ihren Freunden: Amerika hat uns willkommen geheissen.»

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