Slalom in Flachau: Schild gewinnt vor Riesch
Aktualisiert

Slalom in FlachauSchild gewinnt vor Riesch

Am Ende stand doch keine Riesch ganz oben auf dem Podest. Marlies Schild aus Österreich konnte vor Maria Riesch den Slalom in Flachau gewinnen.

Mitte Dezember in Are hatten die Riesch-Geschwister Maria und Susanne ein erstes Mal gemeinsam auf dem Podium gestanden, damals auf den Rängen 2 und 3, hinter der Französin Sandrine Aubert. In Flachau aber schien es so, dass die Rieschs den Sieg unter sich ausmachen würden. Die 22-jährige Susanne lag nach dem ersten Durchgang 14 Hunderstel vor ihrer drei Jahre älteren Schwester Maria, derweil sich die Österreicherinnen Kathrin Zettel und Marlies Schild bereits um 93 Hundertstel bzw. 1,04 Sekunden distanziert sahen.

Aber dann legte Marlies Schild in dem vom Schweizer Trainer Reto Nydegger gesetzten zweiten Durchgang einen ihrer unwiderstehlichen Läufe in den Schnee, mit dem sie die Gegnerinnen unter Druck setzte. Maria Riesch blieb um 34 Hundertstel geschlagen und Susanne Riesch, die erstmals überhaupt nach einem ersten Slalomlauf geführt hatte, schied aus. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Rennen noch gewinnen kann», staunte selbst die Siegerin, die ihren 22. Weltcupsieg feierte, den 20. in einem Slalom. Damit steht die Salzburgerin auf einer Höhe mit Janica Kostelic. Einzig Vreni Schneider (34) und Erika Hess (21) haben mehr Slaloms gewonnen als Marlies Schild, die auf diese Saison ihr Comeback gegeben hat. Im Oktober 2008 hatte sie einen Trümmerbruch im linken Schien- und Wadenbein sowie den Bruch des Schienbeinkopfs erlitten.

Keine Annäherung an Vancouver

Der Slalom bleibt die Sorgen-Disziplin im Team von Cheftrainer Hugues Ansermoz. Auch im sechsten Slalom des Winters schaffte keine einen Rang unter den ersten 15, was gleichbedeutend mit der 'halben' Olympia-Qualifikation gewesen wäre. «Rabea Grand und Aline Bonjour hätten das Format für einen Start bei Olympia», ist sich Ansermoz sicher. Diese beiden Fahrerinnen schafften als einzige Schweizerinnen wenigstens schon Top-20-Klassierungen.

Rabea Grand befand sich nach dem ersten Lauf auf Position 19, doch im zweiten Durchgang beging sie zu viele Fehler und büsste dadurch vier Postionen ein. Der 23. Schlussrang brachte sie auf dem Weg nach Vancouver nicht weiter. Die Waadtländerin Aline Bonjour, die mit den Rängen 16 (in Zagreb) und 17 (in Aspen) schon zweimal knapp an den Top 15 dran war, zeigte in Flachau eine völlig verunglückte Vorstellung. Mit knapp vier Sekunden Rückstand resultierte lediglich Rang 37. Bereits am Sonntag steht in Maribor (Sln) der letzte Frauen-Slalom vor Vancouver auf dem Programm. Dort brauchen nun Grand wie Bonjour einen Befreiungsschlag, um die Olympia-Selektionäre vielleicht doch noch milde zu stimmen.

Die übrigen Schweizerinnen blieben ein weiteres Mal chancenlos. Die St. Gallerin Miriam Gmür aus Amden hielt sich immerhin achtbar. Sie verpasste in ihrem dritten Weltcuprennen als 41. mit der hohen Nummer 74 die Qualifikation für den zweiten Lauf um gut eine halbe Sekunde.

Lindsey Vonn out - Anja Pärson verletzt

Weltcup-Gesamtleaderin Lindsey Vonn fädelte schon im ersten Durchgang ein und schied bereits zum dritten Mal in diesem Winter im Slalom aus. Ihre verletzte Hand, die am Wochenende beim Triple in den schnellen Disziplinen in Haus kein Thema war, scheint zwischen den engen Stangen derzeit ein zu grosses Handicap zu sein. «Trainieren kann ich nicht viel, weil es mir zu sehr wehtut», erklärte die Amerikanerin, deren Reserve im Gesamt-Weltcup wieder etwas schwand. 112 Punkte liegt sie aber noch immer vor ihrer deutschen Freundin Maria Riesch.

Auch die Schwedin Anja Pärson, die just auf die Olympischen Spiele wieder immer besser in Schwung gekommen war, sah das Ziel nicht. Die Skandinavierin soll sich laut ersten Diagnosen eine Meniskus-Verletzung zugezogen haben.

Die Rückkehr des Frauen-Weltcups in die Heimat von Hermann Maier erwies sich bezüglich Zuschauer-Resonanz als Erfolg. Über 10 000 Zuschauer verfolgten den Nacht-Slalom, der sich zu einem Pendant des Männer-Slaloms von Schladming entwickeln soll. Letztmals fuhren die Frauen vor acht Jahren in Flachau, mit Sonja Nef als Gewinnerin des Riesenslaloms. (si)

Deine Meinung