11.06.2015 04:04

Rausch auf Verlangen

Schimpansen betrinken sich mit Absicht

Erstmals zeigen Forscher, dass wilde Schimpansen gezielt Alkohol trinken. In Guinea schütten die Primaten literweise vergorenen Palmsaft in sich hinein.

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fee/sda
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Schimpansen trinken gerne mal einen über den Durst - und das gezielt und oft auch in geselliger Runde.

Schimpansen trinken gerne mal einen über den Durst - und das gezielt und oft auch in geselliger Runde.

Keystone/Ronald Wittek
Forscher vom anthropologischen Forschungszentrum (CRIA) in Lissabon filmten zwischen 1995 und 2012 wilde Schimpansen dabei, wie sie sich an Behältern mit vergorenem Palmwein gütlich taten.

Forscher vom anthropologischen Forschungszentrum (CRIA) in Lissabon filmten zwischen 1995 und 2012 wilde Schimpansen dabei, wie sie sich an Behältern mit vergorenem Palmwein gütlich taten.

G. Ohashi
Bis zu 10-mal pro Minute tauchten die Tiere ihre zerkauten Blattschwämme in den Saft und nahmen dabei im Schnitt einen Liter «Palmwein» zu sich.

Bis zu 10-mal pro Minute tauchten die Tiere ihre zerkauten Blattschwämme in den Saft und nahmen dabei im Schnitt einen Liter «Palmwein» zu sich.

M. Nakamura

Mit zu Schwämmen umfunktionierten Blättern trinken die Primaten bis zu drei Liter pro Trinkgelage – das belegen Beobachtungen des Teams um Kimberley Hockings vom anthropologischen Forschungszentrum (CRIA) in Lissabon.

Danach zeigten die Primaten Anzeichen eines Rausches oder legten sich sogleich schlafen, berichten die Forscher im Fachjournal «Open Science» der britischen Royal Society.

Tierische Alkoholiker

Es war bereits bekannt, dass Affen in Gefangenschaft Alkohol konsumieren, wenn sie können, schreiben die Autoren. Die eingeschleppten Westlichen Grünmeerkatzen auf der Karibikinsel St. Kitts sind bekannt dafür, die Cocktails der Touristen zu klauen. Doch bei wilden Affen gebe es bisher keine gesicherten Hinweise zum Alkoholkonsum.

Allerdings wiesen genetische Studien darauf hin, dass schon beim vor Millionen Jahren lebenden gemeinsamen Vorfahren von Primaten und Menschen eine Erbgutveränderung auftrat, mit der der Körper Alkohol 40-mal besser abbauen konnte. Alkohol entsteht oft in überreifen Früchten – die Fähigkeit, ihn zu verdauen, könnte für Früchte verzehrende Tiere einen evolutionären Vorteil darstellen.

Bis zu sieben Prozent Alkohol

In Boussou in Guinea sammeln die Menschen Saft von Palmen, indem sie ihn in Plastikbehältern unter der Baumkrone auffangen. Die darin enthaltenen Zucker fermentieren leicht, und der Saft enthält im Schnitt etwa 3 Volumenprozent Alkohol, maximal 6,9 Volumenprozent. Diesen trinken die Menschen ohne weitere Bearbeitung.

Dies allerdings nur, wenn ihnen die Schimpansen nicht zuvorkommen: Hockings und ihre Kollegen filmten zwischen 1995 und 2012 wilde Schimpansen dabei, wie sie sich an diesen Behältern gütlich taten. Bis zu 10-mal pro Minute tauchten die Tiere ihre zerkauten Blattschwämme in den Saft und nahmen dabei im Schnitt einen Liter «Palmwein» zu sich.

Ausdauerndes Besäufnis

Die Gelage dauerten zwischen einer und 30 Minuten, und die Primaten tranken entweder allein oder in der Gruppe. Die Schimpansen in Boussou trinken fermentierten Palmsaft selten, aber regelmäßig, lautet das Fazit der Wissenschaftler.

«Manche Tiere konsumierten beträchtliche Mengen Alkohol und zeigten Anzeichen von Trunkenheit», schreiben sie. Entsprechende Daten von Gorillas und Bonobos wären hilfreich, um herauszufinden, welche von ihren nahen Verwandten ebenfalls Alkohol verdauen können. (fee/sda/sda)

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