Aktualisiert 04.06.2015 07:20

Klug genug

Schimpansen könnten kochen

Auch unsere nächsten Verwandten mögen lieber Gekochtes als Rohkost. Experimente haben nun gezeigt, dass sie im Stande sind, es zuzubereiten.

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jcg/sda

Im Laufe der Evolution bescherte die Fähigkeit, Nahrung zu kochen, dem Menschen einen entscheidenden Vorteil. Und auch Schimpansen lieben Gekochtes. Deshalb versuchten Forscher mit einer Serie von Schimpansen-Experimenten herauszufinden, ab wann unsere Vorfahren diese Fähigkeit nutzten.

Verglichen mit Früchten, Blättern und rohem Fleisch kann der Mensch mit gekochten Nahrungsmitteln deutlich mehr Energie aufnehmen. Forscher vermuten, dass dieser Nahrungswechsel eine wichtige Voraussetzung dafür war, grössere Gehirne entwickeln zu können – denn Hirngewebe benötigt extrem viel Energie.

Noch viele Detailfragen sind dabei offen: Wie lange wurde das Feuer vom Menschen vor allem für Wärme und Licht genutzt – und ab wann auch für die Zubereitung von Speisen? Führte die Kontrolle des Feuers schnell zum Kochen oder fand dies verzögert statt?

Klug genug zum Kochen

Für ein schnelles Erlernen des Kochens spräche, wenn bereits die letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse die für das Kochen elementaren Fähigkeiten besassen. Dies prüften Wissenschaftler der Harvard Universität in neun Tests, bei denen die Schimpansen selbst entscheiden konnten, ob sie mitmachen mochten oder nicht.

Durch Zeigen oder Berührung konnten sie jeweils eine bestimmte Option wählen. In den ersten Experimenten stellten die Forscher fest, dass die Tiere lieber gekochte als rohe Süsskartoffeln fressen, wie sie im Fachblatt «Proceedings B» der britischen Royal Society berichten. Dies war auch dann der Fall, wenn die Schimpansen auf die gekochte Nahrung warten mussten, dafür mehr davon bekamen.

Schimpanse am Herd

In weiteren Versuchen arbeiteten die Wissenschaftler mit einer Art Herd und einer Kontroll-Box. Bekamen die Schimpansen ein Stück rohe Süsskartoffel oder Rüebli und zeigten auf den «Herd», legte der Versuchsleiter das Essen dort hinein und schüttelte das Behältnis zehn Mal. Heraus kam ein gekochtes Stück Süsskartoffel oder Möhre.

Der Trick dabei war ein doppelter Boden, in dem zuvor ein gekochtes Stück versteckt worden war. Bei der Kontroll-Box hingegen kam jeweils das gleiche Stück Futter heraus wie hineingelegt worden war. Die meisten Schimpansen entschieden bei diesen Versuchen, ihre Nahrung in der Herdattrappe zubereiten zu lassen – und nicht in die Kontroll-Box zu legen oder sie sofort zu fressen.

Weitere Experimente zeigten, dass die meisten Schimpansen verstanden, dass nur rohe Lebensmittel in der Box «verwandelt» wurden, nicht jedoch eine bereits gekochte Süsskartoffel oder ein Stück Holz. Einige Primaten waren bereit, ihre Nahrungsmittel ans andere Ende des Raums zum «Koch-Gerät» zu tragen oder bis zu drei Minuten auf dieses zu warten.

Notwendige Fähigkeiten geteilt

Insgesamt zeigten die Ergebnisse der Tests, dass Schimpansen viele der für das Kochen notwendigen Fähigkeiten mit uns teilen, schreiben die Autoren. Die Tatsache, dass die Tiere nur sehr wenig Zeit hatten, sich den neuen Weg der Essens-Verarbeitung zu erschliessen, und dies dennoch erfolgreich meisterten, weise darauf hin, dass das Kochen in der menschlichen Evolution früh aufgetreten sei.

Die Wissenschaftler weisen auch auf die Möglichkeit hin, dass Menschen vor der Kontrolle über das Feuer bereits natürlich vorkommende Feuerstätten zum Bereiten von Speisen genutzt haben könnten. Von Schimpansen (Pan troglodytes) sei zum Beispiel bekannt, dass sie nach Bränden gern geröstete Samen in dem Gebiet sammeln.

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