Aktualisiert 17.03.2009 15:14

Handball-Skandal

Schiri-Bestechung auch in der Schweiz

Im Handballsport jagt eine Negativ-Schlagzeile die andere. Die Rede ist nur noch von Schiedsrichter-Bestechungen und immer mehr Details kommen ans Tageslicht. Der Schweizer Verein Pfadi Winterthur kann davon ein Lied singen.

von
Herbie Egli

Dem THW Kiel wird vorgeworfen, in zehn Europapokalpartien Schiedsrichter bestochen zu haben. Und am Wochenende kam heraus, dass der russische Zoll 2006 beim deutschen Schiri-Paar Bernd Ullrich und Frank Lemme nach einem Europapokalspiel in Moskau 50 000 Dollar im Gepäck fand. Bis zur Klärung dieses Falls wurde es vom europäischen Handballverband EHF suspendiert.

Nun haben sich auch noch die dänischen Schiedsrichter Martin Gjeding und Mads Hansen zu Wort gemeldet und erzählen von einem Bestechungsvorwurf. Im Juni 2008 sei ihnen vor dem WM-Qualifikationsspiel Rumänien gegen Montenegro je 30 000 Euro angeboten worden, wenn sie Rumänien zum Sieg verhelfen.

Bestechungs-Vorwurf 1997 in Winterthur

Diese Vorfälle erinnern stark an die glorreiche Zeit von Pfadi Winterthur in den 90er-Jahren. Der Serienmeister spielte in der Saison 1997/1998 in der Champions League und im Viertelfinal-Rückspiel in Winterthur zwischen Pfadi und Badel Zagreb kam es zum Skandal. Die russischen Schiedsrichter David Danelia und Mikhail Kiselev pfiffen so einseitig zu Gunsten der Kroaten, dass der Bestechungs-Vorwurf laut wurde. Das Spiel endete 21:24 für Zagreb und Badel war nach dem 27:24-Erfolg im Hinspiel im Halbfinal. Die Schiedsrichter mussten die Winterthurer Eulachhalle unter Polizeischutz verlassen.

Pfadi Winterthur gelang an den europäischen Handballverband EHF und protestierte gegen die Wertung des Spiels. Mangels Beweisen wurde der Protest in zweiter Instanz jedoch abgewiesen. Das russische Schiedsrichterpaar Danelia/Kiselev wurde danach gesperrt. Ende Saison wollte es sowieso zurücktreten.

Ausmass wie im Radsport?

Die Vorwürfe aus Deutschland und Dänemark dürften bei weitem nicht die einzigen bleiben. Handball-Insider gehen davon aus, dass noch viele solche Betrugsfälle ans Tageslicht kommen werden. Die Sportart Handball steht also vor einer düsteren Zukunft.

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