«Beispiellose Kämpfe»: Schlacht um Aleppo wird immer brutaler
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«Beispiellose Kämpfe»Schlacht um Aleppo wird immer brutaler

Die Kämpfe um die syrische Stadt Aleppo nehmen an Schärfe zu. Jetzt wird in Vierteln gekämpft, die bislang verschont geblieben waren. Die Rebellen haben eine Grossoffensive gegen regierungsfreundliche kurdische Kämpfer gestartet.

von
jam

Nach der Ankündigung eines Grossangriffs der syrischen Rebellen auf die nordwestliche Metropole Aleppo haben in der Stadt am Freitag laut Aktivisten und Einwohnern bislang beispiellose Kämpfe getobt.

Nach dem Beginn der Offensive am Donnerstag hätten zunächst nur «in einer oder zwei Strassen eines Stadtteils» Gefechte stattgefunden, sagte Rami Abdel Rahman, Leiter der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Am Freitagmorgen habe es hingegen Kämpfe «an mehreren Fronten» gegeben, die in dem bisherigen Konflikt «beispiellos» seien. Auch Einwohner von Stadtteilen Aleppos, die bislang weitgehend von Gewalt verschont geblieben waren, berichteten AFP von heftigen Gefechten. Sie sagten ebenfalls, diese seien bisher «ohne Beispiel».

Aktivisten meldeten schwere Gefechte aus dem hauptsächlich von Kurden bewohnten Scheich-Maksud-Viertel. Die Aufständischen der Tauhid-Brigade erklärten über Facebook, ihre Mitglieder hätten dort eine Offensive gegen regierungsfreundliche kurdische Kämpfer gestartet. Das staatliche Fernsehen stellt die Ereignisse allerdings anders dar. Regierungstruppen hätten mithilfe der Einwohner einen Angriff auf das Viertel abgewehrt, berichtet dieses.

Männer von Schabiha-Miliz öffentlich hingerichtet

Die syrischen Rebellen hatten nach eigenen Angaben am Donnerstag einen Grossangriff auf Aleppo gestartet. Laut einem desertierten Offizier waren «tausende» Kämpfer im Einsatz.

Aktivisten meldeten, in der Stadt Deir al-Zor seien am frühen Morgen 19 Männer von Angehörigen der regimetreuen Schabiha-Miliz öffentlich hingerichtet worden. Soldaten der Armee hätten zugesehen. Unter den Opfern sei der junge Ingenieur Mohammed Fajad al-Askar, der zu den Koordinatoren des zivilen Widerstandes in der Stadt gehört habe.

Gleichzeitig haben Truppen der Regierung im Norden der Hauptstadt Damaskus eine Offensive gestartet. Gemäss Informationen von Nichtregierungsorganisationen sind zahlreiche Häuser zerstört und Personen verhaftet worden.

Am Vortag sollen landesweit etwa 160 Menschen ums Leben gekommen sein. Seit dem Beginn des Aufstands gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad Mitte März 2011 wurden in dem Land nach Angaben der Beobachtungsstelle fast 30 000 Menschen getötet. (jam/sda)

UNO-Menschenrechtsrat fordert Strafverfolgung

Der UNO-Menschenrechtsrat hat die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien befürwortet. In einer am Freitag in Genf angenommenen Resolution verweist er dabei auf eine mögliche Rolle des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.

Der Rat verlängert auch das Mandat der UNO- Untersuchungskommission, die in mehreren Berichten Menschenrechtsverletzungen für zukünftige Gerichtsprozesse dokumentiert hat. 41 Ratsmitglieder stimmten für die Resolution. Russland und China sprachen sich dagegen aus.

Syrische Regierungstruppen bringen Chemiewaffen in Sicherheit

Angesichts des Vorrückens der syrischen Rebellen haben die Regierungstruppen nach Erkenntnissen der US- Regierung einen Teil ihrer Chemiewaffen umgelagert. Durch die Verlagerung der Bestände sollten die Waffen besser gesichert werden, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta.

Aufgrund der verfügbaren Informationen sei weiter davon auszugehen, dass die Hauptlagerstätten sicher seien. Ob die Aufständischen Chemiewaffen in die Hände bekommen haben, sei ihm nicht bekannt, sagte Panetta am Freitag.

Das syrische Chemiewaffenprogramm soll in den 70er und 80er Jahren mit Hilfe Ägyptens und der Sowjetunion entwickelt worden sein. Nach Ansicht von Experten verfügt Syrien über grössere Bestände von Senfgas, Saringas und des Nervengases VX.

Die Führung hatte Ende Juli erklärt, Chemiewaffen nur im Fall eines Angriffs aus dem Ausland einsetzen zu wollen, nicht aber gegen die eigene Bevölkerung. US-Präsident Barack Obama drohte im August im Fall der Vorbereitung eines Chemiewaffeneinsatzes mit einem militärischen Eingreifen in den Konflikt. (sda)

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