Schlacht um Bint Dschbail: Hisbollah standhaft
Aktualisiert

Schlacht um Bint Dschbail: Hisbollah standhaft

Die israelische Armee kommt bei der Eroberung von Bint Dschbail im Südlibanon nicht voran. Nach nahezu pausenlosen nächtlichen Luftangriffen konnten die israelischen Bodentruppen ihre Stellungen nicht halten und zogen sich zurück.

Die Bodentruppen rückten auch nur sehr langsam auf die Hisbollah-Hochburg vor und zogen sich dann am Nachmittag wieder zurück. Die schiitische Miliz feuerte ihrerseits wieder rund 40 Raketen auf den Norden Israels ab. Unterdessen reiste US-Aussenministerin Condoleezza Rice mit einem Vorschlagspaket zur Beendigung der Gewalt erneut in den Nahen Osten.

Die Schlacht um Bint Dschbail zeigte Beobachtern zufolge die Schwierigkeit, die Milizionäre dauerhaft zu vertreiben. Eine Einnahme der grössten libanesischen Stadt in der Grenzregion wäre ein starker Rückschlag für die Hisbollah. Bei Kämpfen von Haus zu Haus verlor Israel am vergangenen Mittwoch neun Soldaten und liess seitdem grösste Vorsicht walten. Dies bedeutete vor allem massive Luftunterstützung für die Bodentruppen. Binnen eineinhalb Tagen flog Israel rund 120 Luftangriffe auf Ziele im Libanon, wobei unter anderem Strassen und Brücken zerstört wurden.

Zur Evakuierung von Zivilpersonen aus den umkämpften Gebieten sowie für Hilfsgütertransporte forderten die Vereinten Nationen eine dreitägige Feuerpause. Israel lehnte dies jedoch ab. Es seien bereits «humanitäre Korridore» eingerichtet worden, sagte Regierungssprecher Avi Pasner. Das wahre Problem liege darin, dass die Hisbollah die Verteilung von medizinischer Hilfe und Lebensmitteln an die Bevölkerung absichtlich verhindere, um Israel ins schlechte Licht zu rücken. Der französische Aussenminister Philippe Douste-Blazy übte heftige Kritik an der Entscheidung Israels.

In Beirut trafen auf dem Luft- und Seeweg weitere Hilfslieferungen ein. Militärmaschinen aus Ägypten, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten flogen Medikamente, Lebensmittel und Sanitäter ein. Ein Hochgeschwindigkeitskatamaran der US-Marine brachte unter anderem 20 000 Decken, 1 000 Planen und Erste-Hilfe-Sets. Hilfsorganisationen erklärten allerdings, aus Sicherheitsgründen sei es kaum möglich, die Versorgungsgüter schnell an die Bevölkerung im südlichen Libanon weiterzuleiten. Israel besteht für jeden Konvoi auf Einzelgenehmigungen, die häufig erst nach drei Tagen erteilt werden.

US-Aussenministerin Rice wurde am späten Samstagabend in Israel erwartet. Nach US-Angaben will sie sich um die Stationierung einer multinationalen Friedenstruppe im Libanon bemühen sowie um die Entwaffnung der Hisbollah und die Eingliederung ihrer Kämpfer in die libanesischen Streitkräfte. Im Südlibanon soll als Puffer zu Israel eine Sperrzone eingerichtet werden, ferner ist ein internationaler Wiederaufbauplan für den Libanon vorgesehen. Rice knüpft damit an einen Plan der libanesischen Regierung an, dem auch der politische Flügel der Hisbollah zustimmte.

US-Präsident George W. Bush erklärte in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache, er sehe in der gegenwärtigen Nahost-Krise auch die Chance für einen weit reichenden Wandel in der Region hin zur Demokratie. Bush sprach sich erneut für eine UN-Resolution aus, die den Auftrag für eine Friedenstruppe im Südlibanon erteilt.

Israelische Panzer stiessen am Samstagmorgen abermals auch in den nördlichen Gazastreifen vor, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Ferner sei im Süden des Autonomiegebiets ein Ziel an der Grenze zu Ägypten angegriffen worden. Dabei seien Stromleitungen zerstört worden, was zu einem Elektrizitätsausfall in der nahe gelegenen Stadt Rafah geführt habe. (dapd)

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