Neue Methode : Schlachtung auf der Weide spaltet die Tierschützer
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Neue Methode Schlachtung auf der Weide spaltet die Tierschützer

Biobauer Nils Müller darf dank einer Sonderbewilligung zehn Rinder auf der Weide schlachten. Die Methode ruft viel Skepsis hervor.

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num/sda

So funktioniert die Weideschlachtung bei Biobauer Nils Müller.

Bislang war die Weideschlachtung in der Schweiz verboten. Das Veterinäramt Zürich hat nun an Biobauer Nils Müller aus Forch ZH eine Bewilligung für zehn Schlachtungen erteilt. Er darf seine Tiere mittels gezieltem Kopfschuss auf der Weide erlegen. Müller ist überzeugt, dass es keine bessere Methode gibt. «Man sieht und spürt, dass die Tiere keinerlei Stress ausgesetzt sind, da sie in der gewohnten Umgebung bleiben und ihre Herde zum Zeitpunkt der Betäubung um sich haben,» sagt er.

Nach der Betäubung muss das Rind innerhalb von 90 Sekunden ausgeblutet werden. Dafür wird es mit einem Frontlader angehoben und anschliessend in einer mobilen Schlachtbox ins Schlachtlokal gebracht und zerlegt.

Beim Schweizer Bauernverband stellt man sich nicht grundsätzlich gegen die Weideschlachtung, ist aber noch skeptisch. Thomas Jäggi, Leiter Viehwirtschaft, sagt: «Was ist mit der Gefahr von Fehlschüssen? Da kann einer im Feldschiessen ein noch so guter Schütze sein – eine Scheibe bewegt sich nun mal im Gegensatz zu einem Rind nicht.»

Schuss erst im richtigen Moment

Ähnliche Bedenken hat der Schweizer Tierschutz STS. Geschäftsführer Hansueli Huber sagt dem «Tages-Anzeiger»: «Auf der Weide können für einen gezielten Nachschuss mehrere Minuten vergehen. Diese Leiden werden den Rindern einfach zugemutet.» Andere Tierschützer sind gegenteiliger Meinung.

Allen voran die Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die Müller bei seinem Kampf um die Bewilligung unterstützte.

Laut Vier-Pfoten-Sprecherin Sabine Hartmann wird das Risiko eines Fehlschusses durch Präzision und Ruhe minimiert. Der Bauer brauche ein Jagdpatent und müsse regelmässig Schiessübungen durchführen. «Der Schütze wartet so lange, bis das Tier genau in der richtigen Position steht. Das kann fünf Minuten oder auch eine Stunde dauern.» Er drücke erst ab, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen sei.

Stress oder nicht?

Für das Tier sei dies die stressfreiste Variante. Hartmann: «Auch wenn sich Schlachthöfe noch so sehr für das Tierwohl einsetzen, eine Belastung entsteht unvermeidlich: durch den Transport, durch die fremden Artgenossen und durch die Wahrnehmung der Stresshormone, die von den anderen Tieren ausgeschieden werden.»

Die grossen Fleischverarbeiter der Schweiz, Micarna und Bell, sehen dies anders. Sie äussern Bedenken zu der Hygiene, der Kühlkette und der Treffsicherheit des jeweiligen Schützens. Roland Pfister von Micarna: «Bringt er wirklich jeden Schuss zielsicher ins Ziel und ist dadurch in der Lage, die Betäubung sofort herbeizuführen?» Im Schlachthof werde jedes Tier fixiert, damit jeder Schuss sitzt. Und der Stress werde für die Tiere vermindert, indem sie in denselben Gruppen eingestallt würden, mit denen sie auch transportiert worden seien.

Bell-Sprecher Fabian Vetsch ergänzt: «Im Unterschied zur Weideschlachtung ist die Gefahr von Fehlschüssen geringer und die Tiere gelangen nach der Tötung direkt zur Weiterverarbeitung in den Schlachtbetrieb unter demselben Dach.» Laut Roland Pfister kann die Hygiene auf der Weide und im anschliessenden Transport in die Metzgerei nicht im gleichen Masse garantiert werden, wie dies bei Schlachthöfen der Fall ist. Gegen das Schlachten auf der Weide spreche zudem die fehlende Kühlkette.

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