Aktualisiert 04.01.2013 10:07

Wütende Inderinnen

Schläge für den Grüsel-Politiker

Der Fall der vergewaltigten Studentin führt in Indien zu einem gesellschaftlichen Umdenken. Im Norden des Landes hat dies ein mutmasslicher Vergewaltiger am eigenen Leibe erfahren.

von
gux

Gegen die fünf Männer, die am 16. Dezember eine 23-jährige Studentin vergewaltigt haben sollen, wurde in Neu-Delhi jetzt formell Anklage erhoben. Ob auch ein sechster, nach eigenen Angaben noch minderjähriger, Verdächtiger nach dem Erwachsenenstrafrecht angeklagt wird, steht noch offen.

30 Seiten soll die Anklageschrift umfassen. Sie stützt sich auf einen 1000-seitigen Polizeibericht, der die Vergewaltigung und Misshandlung der Studentin in einem öffentlichen Bus bis ins kleinste grausame Detail beschreibt. Die Anklage stützt sich aber auch stark auf eine letzte Aussage des Opfers aus dem Spital sowie die Aussage ihres Freundes, der die Vergewaltigung in dem Bus mitansehen musste.

Umfrage zur Veröffentlichung des Opfernamens

Die Namen der Angeklagten sind im Gegensatz zu demjenigen der Ende Dezember infolge der Vergewaltigung verstorbenen Studentin bekannt geworden. Ob auch der Name des Opfers bekannt werden sollte, wird in den indischen Medien derzeit kontrovers diskutiert. In einer Online-Umfrage der «Hindustan Times» - eine der grössten indischen Tageszeitungen - sind über 65 Prozent der Abstimmenden für die Veröffentlichung des Namens der Studentin. Damit solle «ihrem Mut und Widerstand Tribut gezollt» werden. Fast 30 Prozent aber sind der Ansicht, dass der Name nicht publik gemacht werden dürfe, da man dazu «kein Recht» habe.

Bemerkenswert - und für die Stimmung im Land wohl bezeichnend: Auf die Frage, ob die fünf Vergewaltiger von Neu-Delhi zu Tode verurteilt werden sollten, antworten 90,78 Prozent der Teinehmenden mit «Ja». Lediglich 6,63 Prozent stimmten «Nein».

Derweil hat sich die indische Regierung zur Einsetzung von drei Kommissionen entschlossen, die sowohl den Massenvergewaltigungsfall von Neu-Delhi als auch eine Verschärfung des Strafrechtes unter die Lupe nehmen sollen. Der Vorschlag, ein neues, verschärftes Gesetz gegen Vergewaltigung nach der Verstorbenen zu benennen, wurde von der Familie der Studentin positiv aufgenommen: «Es wäre ein Tribut an sie», sagte der Bruder des Opfers.

Frauen gehen auf Politiker los

In Indien gehören Vergewaltigungen traurigerweise zum Alltag und zur vorherrschenden Machokultur. Der tragische Fall der Studentin in Neu-Delhi könnte nicht nur gesetzliche Verschärfungen, sondern auch ein gesellschaftliches Umdenken nach sich ziehen. Das legt das Beispiel des Kongressabgeordneten Bikram Singh Brahma nahe. Der Politiker aus dem Nordosten Indiens soll am Mittwoch, 2. Januar, eine Frau vergewaltigt haben. Ihr Ehemann ging zur Polizei – und die Dorfbewohner stürmten das Haus des mutmasslichen Vergewaltigers. Vor kurzem noch undenkbar: Erzürnte Frauen rissen Brahma das Hemd vom Körper, beschimpften ihn und schlugen auf ihn ein.

Die Dorfbewohner weigerten sich sogar, Brahma der Polizei auszuliefern und forderten, dass die Polizei das Geständnis des Mannes aufzeichnen sollte, bevor sie ihn mitnehme. Schliesslich wurde Brahma abgeführt – ohne verhaftet zu werden. Man müsse, so wurde ein Polizeisprecher der Region zitiert, den Fall erst ordnungsgemäss aufnehmen.

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