Basel: Schläge und Schrankbett – Ehepaar hielt Kindermädchen wie eine Sklavin

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BaselSchläge und Schrankbett – Ehepaar hielt Kindermädchen wie eine Sklavin

Ein Basler Paar soll ein albanisches Kindermädchen unter sklaven-ähnlichen Bedingungen ausgebeutet haben. Vor dem Strafgericht bestreiten sie die Vorwürfe.

von
Lukas Hausendorf
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Ein albanisches Kindermädchen wurde von einem Basler Ehepaar ausgebeutet. Es musste deren drei Kinder voll betreuen und den gesamten Haushalt erledigen. Für 300 Franken im Monat. Geschlafen hatte die 20-Jährige in einem «Schrankbett» im Kinderzimmer.

Ein albanisches Kindermädchen wurde von einem Basler Ehepaar ausgebeutet. Es musste deren drei Kinder voll betreuen und den gesamten Haushalt erledigen. Für 300 Franken im Monat. Geschlafen hatte die 20-Jährige in einem «Schrankbett» im Kinderzimmer.

20min/Simon Glauser (Symbolbild)
Das Ehepaar ist nun wegen Menschenhandels, Nötigung und Verstössen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz angeklagt. Es soll schon früher Kindermädchen aus Albanien zu ähnlich ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt haben.

Das Ehepaar ist nun wegen Menschenhandels, Nötigung und Verstössen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz angeklagt. Es soll schon früher Kindermädchen aus Albanien zu ähnlich ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt haben.

20 Minuten
Ein Gerichtssaal im Strafgericht. Zum Beginn der Hauptverhandlung am Freitag stritten die beiden die Vorwürfe ab. Die Frau verbreite Lügen und habe gar ihre Kinder geschlagen, behauptete der 38-jährige Mann vor Gericht.

Ein Gerichtssaal im Strafgericht. Zum Beginn der Hauptverhandlung am Freitag stritten die beiden die Vorwürfe ab. Die Frau verbreite Lügen und habe gar ihre Kinder geschlagen, behauptete der 38-jährige Mann vor Gericht.

Kanton BS

Darum gehts

Das ausbeuterische Kafala-System, mit dem Hausangestellte und Gastarbeiter im arabischen Raum ausgebeutet werden, sorgt auch in der Schweiz für Empörung. Sei es, weil Basler Stararchitekten fensterlose Maid-Rooms in einem Beiruter Luxus-Wohnhochhaus planen, oder weil tausende Arbeiter auf den WM-Baustellen in Katar ihr Leben lassen mussten. Ein solcher Fall beschäftigt nun auch die Basler Justiz. Ein Basler Ehepaar soll ein Kindermädchen aus Albanien nicht nur schwarz beschäftigt haben, sondern die damals 20-Jährige wie eine Leibeigene ausgebeutet haben. Der Fall wird nun vor dem Basler Strafgericht verhandelt.

Wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage festhält, soll die junge Frau nur gerade 300 Franken Monatslohn erhalten haben. Geschlafen habe sie im Kinderzimmer in einem «Schrankbett». Als sie sich über die Bezahlung beschwerte, habe das Paar ihr gar den Pass abgenommen. Für das wenige Geld sollte sie die Vierzimmerwohnung der Familie putzen, die komplette Betreuung der drei Kinder im Alter von zwei, fünf und neun Jahren übernehmen, für die Familie kochen und auch noch die Wäsche machen. Waren ihre Arbeitgeber nicht zufrieden, soll sie geschlagen worden sein.

Druckversuche, damit sie Aussagen widerruft

Das Ehepaar ist nun wegen Menschenhandels, Nötigung und Verstössen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz angeklagt. Zum Beginn der Hauptverhandlung am Freitag stritten die beiden die Vorwürfe ab, wie die «bz Basel» berichtet. Die Frau verbreite Lügen und habe gar ihre Kinder geschlagen, behauptete der 38-jährige Mann vor Gericht. Dabei habe man die junge Frau aus prekären Verhältnissen retten wollen. Die Nanny war zuvor im Aargau beschäftigt, wo sie ebenfalls schlecht behandelt worden sei.

Nur: Das Basler Ehepaar soll bereits früher Kindermädchen unter ähnlich ausbeuterischen Umständen beschäftigt haben. Gegenüber der heute 23-jährigen Geschädigten in diesem Verfahren soll es Druckversuche gegeben haben, damit sie ihre Aussagen widerruft. Die Geschädigte lebt heute an einem geheimen Ort.

Agentur vermittelt Nannys in die Schweiz

Die junge Frau hatte in Albanien das Gymnasium abbrechen müssen, um im elterlichen Betrieb mitzuhelfen. Den Nanny-Job bekam sie über eine Agentur vermittelt, die ihr vormachte, dass Arbeitseinsätze bis zu drei Monaten in der Schweiz legal seien. Das stimmt nicht. Die Beschäftigung albanischer Staatsangehöriger ist in der Schweiz zulassungspflichtig. Die Umstände deuten aber darauf hin, dass albanische Kindermädchen in der Schweiz systematisch ausgebeutet werden.

Die Staatsanwaltschaft wird ihre Strafanträge im Rahmen der Plädoyers stellen. Weil der Fall von einem Dreiergericht behandelt wird, kann eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren beantragt werden. Das Urteil wird kommende Woche gefällt.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Zwangsprostitution und/oder Menschenhandel betroffen?

Hier findest du Hilfe:

ACT 212, Nationale Meldestelle gegen Menschenhandel, Tel. 0840 212 212

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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