E-Auto-Battle: Schlägt der Microlino den Tesla?
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E-Auto-BattleSchlägt der Microlino den Tesla?

Zugegeben, der Tesla macht auf den ersten Blick mehr her als der Miniflitzer Microlino. Doch gewinnt der Tesla wirklich in jedem Bereich?

von
V. Blank

20 Minuten konnte sich bereits ein Bild vom Microlino machen. (Video: P. Stirnemann/L. Stirnemann)

Das Interesse am Schweizer Mini-E-Auto ist gross: Laut den Entwicklern sind schon 4600 Reservierungen für den Microlino eingegangen. Dass das eine stattliche Zahl ist, zeigt sich, wenn man sie mit den Immatrikulationen von Personenwagen im vergangenen Jahr vergleicht: 2017 wurden in der Schweiz etwa 5295 VW Polos neu zugelassen oder 2024 Teslas (Model S und Model X).

Würden tatsächlich 4600 Microlinos innerhalb eines Jahres zugelassen, hätte der kleine Stadtflitzer den grossen Elektro-Pionier zumindest in einem Bereich schon überholt. Doch bei welchen Punkten hat das Mini-Fahrzeug keine Chance gegen den übermächtigen Konkurrenten? 20 Minuten hat den Vergleich zwischen dem Microlino und dem Tesla Model S 75D gemacht:

Preis

Der Microlino ist ab rund 13'000 Franken zu haben. Ein Tesla Model S 75D kostet mit 79'200 Franken sechsmal mehr.

Microlino 1 : 0 Tesla

Reichweite

Die Reichweite eines Tesla Model S beträgt gemäss Herstellerangaben 490 Kilometer. Beim Microlino sind es 120 bis max. 215 Kilometer – und damit deutlich weniger.

Microlino 1 : 1 Tesla

Beschleunigung

Von 0 auf 100 km/h braucht ein Tesla Model S gerade einmal 4,4 Sekunden. Damit kann der Microlino nicht mithalten – um von 0 auf 50 km/h zu beschleunigen, benötigt er gemäss ersten Tests 5 Sekunden, wie der Hersteller auf Anfrage von 20 Minuten sagt.

Microlino 1 : 2 Tesla

Höchstgeschwindigkeit

Der Tesla Model S fährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h auf. Beim Microlino kann man noch so sehr aufs Gaspedal drücken – von solchen Geschwindigkeiten ist er mit bescheidenen 90 km/h Höchstgeschwindigkeit weit entfernt. Schneller dürfen Fahrzeuge dieser Kategorie laut Gesetzesvorgabe auch gar nicht fahren.

Microlino 1 : 3 Tesla

Platzverbrauch

Der Microlino ist unschlagbar klein – seine Masse: 2,5 mal 1,5 Meter. Daneben ist der Tesla ein richtiges Schiff: Er ist mit knapp 5 Metern Länge doppelt so lange. Für einen Tesla passen also zwei Microlinos in die Garage. Auch das Einparkieren ist mit dem Miniflitzer viel einfacher.

Microlino 2 : 3 Tesla

Innenraum

Der Tesla Model S bietet Sitzplätze für fünf Personen, der Microlino nur für zwei. Auch beim Kofferraumvolumen kann das Minifahrzeug nicht mithalten: Der Microlino bietet 300 Liter, der Tesla bis zu 1645 Liter – und einen zusätzlichen Frontkofferraum.

Microlino 2 : 4 Tesla

Familientauglichkeit

Der Tesla wartet mit zwei Isofix-Kindersitzankern auf. Doch auch im Microlino lassen sich Babys oder Kinder transportieren, da der Beifahrersitz Isofix-tauglich ist. Gibt einen Punkt für beide Elektroautos.

Microlino 3 : 5 Tesla

Motorfahrzeugsteuern

Besitzer eines Microlino müssen keine Motorfahrzeugsteuern zahlen: «Wir sind in der Schweiz davon befreit», sagt Oliver Ouboter von Microlino zu 20 Minuten. Beim Tesla ist es unterschiedlich. In einigen Kantonen zahlen Tesla-Fahrer keine Motorfahrzeugsteuer, etwa in den Kantonen Glarus, Solothurn, St. Gallen oder Zürich. In anderen werden sie lediglich steuerlich entlastet. In Luzern zahlt ein Fahrer eines Tesla Model S laut dem TCS rund 880 Franken Motorfahrzeugsteuer, in Basel-Stadt sind es bereits knapp 1800 Franken.

Microlino 4 : 5 Tesla

Herr Meier, hätten Sie in einem Microlino Angst um Ihre Sicherheit?

Herbert Meier*: Nein, da hätte ich keine Bedenken.

Warum nicht? Der Flitzer macht wegen seiner Kleinheit keinen sehr sicheren Eindruck.

Es ist rein von der Optik schwer einzuschätzen, wie sicher das Fahrzeug tatsächlich ist. Aber man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: Der Microlino gehört nicht in dieselbe Fahrzeugklasse wie ein Auto, sondern in die Kategorie der Kleinmotorfahrzeuge, die eine Motorradnummer haben.

Wer sich auf einem Töff oder Roller sicher fühlt, kann das also auch im Microlino tun.

Genau. Der Microlino ist eine Art vierrädriger Töff und hat nicht dieselben Sicherheitsanforderungen wie ein Auto. Ausserdem ist der Microlino für die Stadt konzipiert, wo man ohnehin langsam unterwegs ist. Das schränkt das Gefahrenpotenzial ein.

Sind kleine Autos grundsätzlich gefährlicher als grosse?

Nein, das kann man nicht so pauschal sagen. Crashtests haben gezeigt, dass viele Kleinwagen wie z.B. der Smart sehr sicher sind. Kleine Autos müssen auch denselben Schleuderschutz (ESP) haben wie grosse.

Bei einem Aufprall ist man im SUV trotzdem besser geschützt.

Klar, die physikalische Masse eines bulligen Autos kann bei einem Unfall natürlich vorteilhaft sein, weil man als Fahrer schlicht mehr Raum um sich hat. Man muss sich als Käufer einfach fragen, welche Bedürfnisse man hat, und sein Fahrzeug dementsprechend vernünftig auswählen.

*Herbert Meier, Projektleiter Fahrzeugtest beim TCS

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