05.09.2014 04:15

Schutz vor Lärm

«Schlafen und Party muss man trennen»

Müssen Städter Nachtlärm einfach ertragen? Auf keinen Fall, sagen Lärmschutzexperten. Für Bar- und Clubbetreiber gehört ein gewisser Lärm aber zu einer attraktiven Stadt.

von
A. Hirschberg

«Eine Stadt kann nur dann funktionieren, wenn sie auch Lärmzonen und -zeiten zulässt.» Diese Aussage einer deutschen Kulturjournalistin gab an der Städtekongress zum Nachtlärm zu reden. Zuvor hatte bereits der Zürcher Polizeivorsteher Richard Wolff die Frage aufgeworfen, ob man in Zürich wirklich immer mit offenem Fenster schlafen können muss.

Für Thomas Gastberger von der Zürcher Lärmschutzstelle ist das keine Frage: «In der Lärmschutzverordnung gilt, der Grenzwert muss mit offenem Fenster eingehalten werden.» Dieses Fenster könne zwar auch auf den ruhigen Hof hinaus gehen. «Aber es sollte nicht so sein, dass man alles abdichten muss, um noch Ruhe zu haben.» Das Problem Lärm sollte man ernst nehmen, betont auch Mark Brink vom Bundesamt für Umwelt. «Durch Lärm gestörter Schlaf kann als eine Verminderung der Lebensqualität aufgefasst werden.»

«Ein vielfältiges Nachtleben bietet Raum für Erlebnisse»

Für Marc Chastonay, Präsident des Lärmschutzvereins Cercle Bruit, ist klar, dass die Städte etwas ändern müssen: «Eine Stadt kann nicht in derselben Strasse Eventlokale und Wohnräume haben.» Man müsse sich ein Beispiel an den Tourismusorten nehmen. Diese entschieden sich in der Regel für Familien und Senioren oder junges Partyvolk und würden ihr Angebot entsprechend ausrichten. «Schlafen und Party muss man trennen.»

In der Bar- und Clubszene bemüht man sich schon länger, genau dieses Problem anzugehen. «Viel Lärm ist unnötig und wir versuchen gegen laute Nachtschwärmer in den Gassen mit Sensibilisierung und Personal vor Ort vorzugehen», sagt Marc Blickenstorfer, Präsident der Schweizer Bar- und Clubkommission. Man wolle das Thema miteinander angehen, es gehe aber nicht ohne Konzessionen von beiden Seiten. «Denn das Nachtleben ist extrem wichtig für die Attraktivität und das Selbstverständnis der Städte.»

Für Thomas Berger, Präsident von Pro Nachtleben Bern, sind laut grölende Besucher ebenfalls ein Ärgernis. Die Musik aus den Clubs oder von Konzerten gehöre hingegen zur Geräuschkulisse eines aktiven Nachtlebens, das wichtig sei. «Wir geben Impulse für die Tourismusbranche, schaffen Arbeitsplätze und zahlen Steuern.» Ausserdem erfülle man auch eine soziale Funktion. «Ein vielfältiges Nachtleben bietet Raum für Begegnungen und Erlebnisse.»

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