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Eurovision Song Contest«Schlaftablette» oder «Klasse-Song»?

Anna Rossinelli vertritt die Schweiz am Eurovision Song Contest. Mit «A Love For a While» hat sie das TV-Publikum erwärmt - und die Kritiker in Rage versetzt.

von
Marius Egger

Mit 13 machte sie als Solistin erste Bühnenerfahrung, mit 16 besuchte sie die Jazzschule Basel. Jetzt steht sie mit 23 auf der grössten Bühne Europas: Im Eurovision Song Contest.

Anna Rossinelli hat sich mit «A Love For a While» in die Herzen des TV-Publikums gespielt und vertritt die Schweiz im nächsten Jahr in Düsseldorf. Die Kritiker allerdings verstecken sich trotz Volkswahl auch dieses Jahr nicht mit ihren Kommentaren. «Switzerland: Zero Points» ist einer der häufigsten Sätze unter den Schwarzmalern im Talkback von 20 Minuten Online. «Ich gratuliere der Schweiz für die garantiert sichere Wahl, erneut am ESC so richtig alt auszusehen», schreibt dazu Leser «ESC-Knower». Und «Alpenheuler» heult: «Wenn das Trio aus Chiasso/TI käme, wäre der Heimweg aus Düsseldorf länger. So aber haben Sie den kürzesten Heimweg.»

«Plätscher-Song»

Mit ihrer Stimme und ihrem Aussehen konnte die schöne Baslerin zwar auch bei ihren Kritikern punkten. Dem Song aber fehle es «enorm an Power», er «plätschere» mehr oder weniger seicht dahin und sei eine «depressive Schlaftablette» monieren jene, die sich immerhin Gedanken über den Song machten. Andere haben nach den Nullrunden der letzten Jahre schlicht die Nase voll vom ESC. «Stoppt endlich diesen Blödsinn», schreibt User «Zorn», der die Teilnahme am Contest für reine Geldverschwendung hält.

Mehreren Kommentarschreibern ist aufgefallen, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist: «Anna Rossinelli ist eine absolute Lena-Kopie», schreibt etwa Petra Meier. Der Song der Baslerin gleiche zu sehr der Deutschen ESC-Siegerin Lena Meyer-Waldrut und «diese Lena-Art» ziehe nur einmal, der Schweiz fehle der Mut. Und «Chrigu» meint: «Ist ja fast schon peinlich, nach dem letztjährigen Contest nun mit einer schlechten Kopie des Originals anzutreten.»

Internationale Anerkennung

Kopie hin, seichter Song her – die Mehrheit der Schweizer TV-Gemeinde hat sich gestern für die ausgebildete Fachfrau für Behinderten-Betreuung entschieden. «Jetzt heisst es, unsere Kandidatin tatkräftig zu unterstützen, damit die ganze Schweiz hinter ihr steht», findet denn auch Chew. Denn ob die Nörgler wirklich recht behalten, wird sich erst noch zeigen. Die (zahlreichen) Fans der Frau mit der Hammerstimme und ihrer Musik sind sich sicher, dass der «einfache, eingängige Klasse-Song» der Schweiz Punkte bringt. Geht es nach Leserin «Erika», ist gar alles möglich: «Endlich eine Melodie, welche mit Sicherheit internationale Anerkennung finden wird.»

Anna Rossinelli: A Love For a While (YouTube)

Ansturm auf ESC-Tickets

Gleich nach dem Start des Ticket-Verkaufs für den Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf stand am Sonntagmittag der Server der Internet-Seite still. Auf www.dticket.de wurden Interessenten aufgefordert, es später zu probieren, weil der Server «ausgelastet» sei. Der Vorverkauf für die Endrunde mit Oslo-Gewinnerin Lena Meyer- Landrut (19) und der Schweizer Teilnehmerin Anna Rossinelli (23) am 14. Mai in der Düsseldorfer Esprit-Arena hatte um 12.12 Uhr begonnen - und schon wenige Minuten später ging nichts mehr. 35 000 Karten sind zu haben, allerdings nur online. Sie kosten zwischen 89 und 189 Euro (115 bis 245 Franken).

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