Aktualisiert 20.07.2017 17:27

700'000 Euro Umsatz pro TagSchlag gegen Darknet – Mann erhängt sich in Zelle

Behörden aus sieben Ländern ist ein wichtiger Schlag gegen ein Portal mit mehr als 200'000 Kunden gelungen. Ein inhaftierter Administrator der Tauschbörse Alpha Bay hat sich das Leben genommen.

von
nag
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AlphaBay ist akutell einer der wichtigsten Handelsplätze im Darknet: Hier bietet ein Händler eine Schrotflinte an. Alle Screenshots sind im August 2016 entstanden.

AlphaBay ist akutell einer der wichtigsten Handelsplätze im Darknet: Hier bietet ein Händler eine Schrotflinte an. Alle Screenshots sind im August 2016 entstanden.

kein Anbieter
Vor allem werden über AlphaBay aber Drogen verkauft: Hier ein Screenshot der vorhandenen Angebote in den verschiedenen Produktkategorien. Um auf diesen und andere Marktplätze zu gelangen, braucht man den TOR-Browser.

Vor allem werden über AlphaBay aber Drogen verkauft: Hier ein Screenshot der vorhandenen Angebote in den verschiedenen Produktkategorien. Um auf diesen und andere Marktplätze zu gelangen, braucht man den TOR-Browser.

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Wie auf Marktplätzen im normalen Internet: Händler werden von ihren Kunden bewertet.

Wie auf Marktplätzen im normalen Internet: Händler werden von ihren Kunden bewertet.

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Fahnder in den USA und Europa haben zwei grosse Online-Plattformen für den Handel mit Drogen, gehackten Daten und Waffen im sogenannten Darknet geschlossen. Wie US-Justizminister Jeff Sessions und Europol-Chef Bob Wainwright heute mitteilten, waren auf den Websites AlphaBay und Hansa-Market im versteckten Teil des Internets, der über normale Suchmaschinen nicht zugänglich ist, tausende Händler weltweit mit mehr als 200'000 Kunden verbunden.

Das Vorgehen der Behörden sei ein klares Signal an die Betreiber und Interessenten, dass sie «entdeckt werden, ihre Organisationen und Netzwerke zerschlagen werden und wir sie strafverfolgen», sagte Sessions. «Sie sind nicht sicher, Sie können nichts verbergen.»

Ähnlich äusserte sich Europol-Chef Bob Wainwright, der die Schliessung des Portals Hansa als Ergebnis eines «verbesserten» und «konzertierten» Vorgehens der Ermittlungsbehörden im Kampf gegen Darknet-Kriminalität würdigte. Die Ermittlungen hätten zur Identifizierung dutzender Krimineller in Bereich der organisierten Kriminalität geführt.

Eine der grössten und ausgefeiltesten Ermittlungen

An den Ermittlungen waren Polizeieinheiten in mehreren Ländern beteiligt, darunter in den USA, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Thailand, Kanada und Litauen. Es handle sich um «eine der grössten und ausgefeiltesten Ermittlungen im Bereich Cyber-Crime in der Kriminalgeschichte», sagte Wainwright. In 37 Ländern hätte die Strafverfolgung eingesetzt.

Bis zu 700'000 Euro Umsatz pro Tag

Den Behörden zufolge wurden im Zuge der Schliessung der beiden Portale Millionen Dollar an Internet-Währung beschlagnahmt. Internet-Währungen wie Bitcoin erlauben Online-Transaktionen unter Anonymität von Käufern und Verkäufern.

Auf den beiden Plattformen wurde demnach unter anderem mit harten Drogen wie Fentanyl gehandelt. Das Opioid wird medizinisch bei der Behandlung schwerer Schmerzen eingesetzt. Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Es wird aber auch von Drogensüchtigen konsumiert und kann bei Missbrauch tödlich wirken.

Wie das Online-Magazin «t3n» berichtete, sollen Alphabay-Nutzer seit Tagen Veränderungen bemerkt haben. Einige hätten gelaubt, dass die Betreiber sich mit den auf der Plattform hinterlegten Bitcoins abgesetzt hätten – bis zu 700'000 Euro seien dort pro Tag umgesetzt werden.

Deutschland

Auf Hansa-Market wurden zudem laut deutschen Ermittlern Falschgeld, gefälschte Dokumente sowie ausgespähte Kreditkartendaten und Kundenkonten angeboten. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main teilte am Abend mit, Anfang Juli sei im Zusammenhang mit Hansa-Market ein Haftbefehl gegen einen 31-Jährigen aus Köln und einen 30-Jährigen aus dem Landkreis Siegen-Wittgenstein erlassen worden.

Beide Beschuldigen sind demnach seit 21. Juni 2016 in Untersuchungshaft. Sie gelten als Betreiber der Plattform und stünden zudem im Verdacht, das illegale Portal LuL.to zum Verkauf urheberrechtlich geschützter Medien betrieben zu haben.

Bei Durchsuchungen der Wohnungen der beiden Verdächtigen seien «zahlreiche Beweismittel, insbesondere Computer und Datenträger, sichergestellt» worden, hiess es in der Erklärung weiter. Niederländische Fahnder hätten nach den Festnahmen den Darknet-Marktplatz Hansa für verdeckte Ermittlungen genutzt, die in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt zur Abschaltung der Plattform am Donnerstag geführt hätten.

Erhängt in seiner Zelle

AlphaBay wurde bereits vor drei Wochen abgeschaltet. Damals habe das Portal rund eine Viertelmillion Angebote und Nachfragen für illegale Drogen und rund 100'000 Angebote für Waffen, gefälschte Dokumente und Waren und Computer-Schadprogramme verzeichnet, teilte das US-Justizministerium mit. Das Portal gilt als zehnmal grösser als das 2013 geschlossene bekanntere Portal Silk Road.

Am 5. Juli wurde der mutmassliche AlphaBay-Betreiber, der Kanadier Alexander Cazes, in Thailand festgenommen. Cazes wurde diese Woche tot in seiner Zelle gefunden, laut thailändischer Polizei beging er Suizid – laut «t3n» habe sich Cazes in seiner Zelle aufgehängt.

Grosse Teile des Vermögens, das Cazes und seine Ehefrau in vier Ländern angehäuft hatten, darunter Geld, Luxusautos und Häuser sowie ein Hotel in Thailand, wurden beschlagnahmt. (nag/afp)

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