Swiss Indoors: Schlag ins Gesicht von Federer

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Swiss IndoorsSchlag ins Gesicht von Federer

Nach 44 Jahren an der Spitze der Swiss Indoors stellt Turnierchef Roger Brennwald die Weichen für die Zukunft seines Lebenswerkes. Sie führen um Roger Federer herum.

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kai/sco

Roger Brennwald ist ein Alphatier. In einem Porträt zeichnet die «NZZ am Sonntag» ein Bild des 68-Jährigen: Brennwald wird als ideenreich und schnell beschrieben, aber auch als pedantisch und nachtragend. Und als Kontrollfreak. Einen Teil der Kontrolle gibt er nun ab.

Am Freitag gab Brennwald gemeinsam mit Marc Walder, Chef des Verlagshauses Ringier (Blick), und Armin Meier, Geschäftsführer des Sportvermarkters InfrontRingier, eine langfristige Kooperation bekannt. InfrontRingier soll in die «konzeptionelle Ausrichtung» involviert werden und vor allem einen neuen Titelsponsor suchen.

Verkauf steht nicht zur Diskussion

Bis 2010 hiess das Turnier «Davidoff Swiss Indoors», doch der Tabakhersteller musste sich nach 17 Jahren auf öffentlichen Druck zurückziehen. Seither fehlen pro Jahr 5 Millionen Franken. Ein Verkauf des Turniers stehe nicht zur Diskussion, stellte Brennwald klar. «Aber in meinem Alter muss ich daran denken, Brücken zu bauen», sagte der Turnierchef an der Medienkonferenz am Freitag.

Kommen wir zurück zu einer von Brennwalds genannten Charaktereigenschaften: nachtragend. Im Sommer 2010 hatte Federer sein Interesse bekundet, die Swiss Indoors dereinst zu erwerben, falls sich Brennwald einmal zurückziehen sollte. In 44 Jahren hatte Brennwald aus den Swiss Indoors das drittgrösste Hallenturnier der Welt und den umsatzstärksten Schweizer Sport-Anlass geschaffen. 18 Millionen Franken beträgt der Umsatz in der St.-Jakobshalle. Das Angebot Federers muss Brennwald als Angriff auf sein Lebenswerk vorgekommen sein.

Federer ohne Vertrag

Seither haben sich Roger und Roger nicht mehr viel zu sagen. Federer spielt in Basel zum zweiten Mal ohne Vertrag, schreibt sich ein wie für andere Turniere auch. Den Zuschauern, die vor allem in die Halle strömen, um ihren Lokalhelden zu sehen, kann das egal sein. Für Brennwald ist es ein Nachteil. Ohne Vertrag hat er keine Möglichkeiten, den zum Superstar gereiften ehemaligen Balljungen für Sponsoring- oder PR-Aktivitäten einzuspannen.

Die Kooperation mit InfrontRingier bietet den Swiss Indoors neue Möglichkeiten. Brennwald hat selbst einmal zugegeben, dass er und sein Team im Sponsoring-Bereich an Grenzen gestossen sind. Hier kann die grösste Schweizer Sportmarketing-Agentur neue Türen öffnen. Für Roger Federer, der sein Heimturnier heute zum sechsten Mal gewinnen kann, muss diese Nachricht jedoch ein Schlag ins Gesicht sein.

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