Aktualisiert 04.03.2011 13:12

Livia und AlessiaSchlammige Stiefel in der Villa von Matthias S.

Neue Indizien im Fall der verschwundenen Zwillinge: Schlammspuren an Stiefeln und weggeworfene Zahnbürsten richten den Fokus erneut auf die Schweiz.

von
Annette Hirschberg

Irina L. hat die Villa von Mathias S. zusammen mit der Polizei minutiös durchsucht. Nun hat die Mutter der verschwundenen Zwillinge Livia und Alessia aus St.Sulpice VD in der italienischen Sendung «Chi l'ha visto» über ihre Funde gesprochen. So sind ihr im Schuhschrank ein paar Militärstiefel aufgefallen, die voller Dreck waren.

«Es sind Stiefel, die er seit Jahren nicht mehr getragen hat und der Schlamm an den Stiefeln war frisch», so Irina L. Offenbar hatte sie Matthias S. am 30. Januar - als er Alessia und Livia entführte - noch getragen. Sein Nachbar hat ihn jedenfalls vor dem Verschwinden der Zwillinge in Stiefeln gesehen. Er beschrieb diese als grosse schwere Stiefel - so ähnlich wie Militärstiefel.

Was machte Matthias S. am Sonntagmorgen?

An jenem Morgen brachte der Vater seine Zwillinge zu ebendiesem Nachbarn, und holte sie erst gegen ein Uhr wieder ab. Er habe etwas Wichtiges zu erledigen erklärte er damals dem Nachbarn. Was er in dieser Zeit gemacht hat, ist unklar. Aber: Am Audi von Matthias S. hat man ebenfalls Schlammspuren gefunden.

Ausserdem deutet einiges darauf hin, dass Matthias S. den Wagen in dieser Zeit benutzt hat. Am Morgen früh sah ihn Irina L. in der Nähe des Eingangs parkiert. Der Nachbar war sich hingegen sicher, dass er später nicht mehr dort stand. Nun untersuchen die Behörden, ob der Schlamm am Auto und an den Stiefeln derselbe ist. «Vielleicht können die Ermittler anhand der chemischen Analyse auch feststellen, von wo der Schlamm stammt», mutmasst man in der Sendung «Chi l'ha visto».

Gepäckkleber von Koffern entfernt

Mehr wurde auch zu den zwei vermissten Koffern bekannt. Zuoberst im Badezimmer-Abfalleimer fanden die Ermittler zwei Gepäckkleber, die bei Reisen im Flugzeug an Koffern festgemacht wurden. Über den Gepäckklebern lagen noch zwei Kinderzahnbürsten: jene von Livia und Alessia. Matthias S. hatte also an jenem Sonntag die zwei Koffer - einen grossen schwarzen und einen etwas kleineren dunkelblauen - noch in der Hand gehabt und die beiden Gepäckkleber abgelöst.

Irgendwann an jenem Tag oder in den frühen Morgenstunden des Montags ist er losgefahren mit seinem Audi und drei Tage lang durch die Schweiz, Frankreich und Italien geirrt, um sich am 3. Februar im süditalienischen Cerignola das Leben zu nehmen. Ob er die Koffer und seine zwei Töchter dabei hatte, oder sie gar nie die Schweiz verliessen, ist weiterhin unklar. Von den Mädchen fehlt seither jede Spur und auch die Koffer sind unauffindbar.

«Eine makabere Schatzjagd»

Hat Matthias S. seine Kinder getötet, in die Koffer gelegt und begraben? Diese Vermutung legen die Indizien jedenfalls nahe. In einem Brief schrieb Matthias S. seiner Frau, er habe die Mädchen getötet. Sie hätten «nicht leiden müssen» und würden «in Friede ruhen». Die verdreckten Stiefel hat Matthias S. am Sonntag wieder in den Schrank gestellt und andere Schuhe angezogen. Dann ist er irgendwann losgefahren - ohne irgendetwas mitzunehmen. Die Taschen mit den Kleidern von Alessia und Livia standen unberührt in seiner Villa. Auf seine Irrfahrt in den Tod hat er sie nicht mitgenommen. Wofür also die beiden Koffer?

«Es ist eine makabere Schatzjagd, mit der er alle zu täuschen versucht», sagte Irina L. am Fernsehen, «Matthias hat alles gut durchdacht und lange geplant. Er konnte sicher sein, mich damit zu verletzen. Einer Mutter die Kinder wegzunehmen ist einfach sadistisch... er wollte sicher sein, dass ich leide!»

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