Schlammlawine fordert Hunderte Tote
Aktualisiert

Schlammlawine fordert Hunderte Tote

Der Tod kam über Nacht - mit einem ohrenbetäubenden Rauschen. Die Schlammlawine aus vulkanischem Geröll und schmieriger Asche liess vielen Philippininnen und Philippinen nicht die geringste Überlebenschance.

Ställe und Vieh in Padang und sieben weiteren Dörfern am Fuss des Mayon-Vulkans wurden mitgerissen, Fenster und Türen eingedrückt. Dann kam die grosse Stille.

«Eine einzige schwarze Wüste», sagte der Bürgermeister der nahe gelegenen Stadt Legazpi, Noel Rosal. Am Freitagmorgen gruben Überlebende mit blossen Händen verzweifelt nach Angehörigen.

Wege verschüttet

Viel helfen konnte Rosal kaum. Der Bürgermeister, dessen Haus nach dem Taifun «Durian» mit sintflutartigem Regen meterhoch im Wasser gestanden hatte, kämpfte sich die elf Kilometer nach Padang vor.

Die Strasse war weggerissen oder zugeschüttet, es ging nur zu Fuss oder mit dem Moped. Schweres Gerät zu Rettungszwecken war auf diesem Weg nicht zu befördern.

«Padang ist zerstört», berichtete Rosal entsetzt. Wie eine Mondlandschaft habe es ausgesehen. Den Toten, die er sah, war die Kleidung durch die Wucht der Lawine vom Leib gerissen worden. Manche Häuser steckten bis zur Dachrinne im Schlamm. Darüber ragten kahle Baumkronen in den Himmel.

Starke Erosion

Schlammlawinen sind in den Philippinen keine Seltenheit. Erst im Februar waren bei einem Erdrutsch mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen. Verantwortlich gemacht werden oft illegale Rodungen. Skrupellose Geschäftemacher und verzweifelte Menschen auf der Suche nach irgendetwas, das zu Geld zu machen ist, fällen hektarweise Bäume.

Ohne Wurzeln verliert der Boden Haftung. Bei heftigen Regenfällen können Hänge dann schnell ins Rutschen geraten.

Möglicher Grund: Vulkan

Doch am Mayon ist die Sache vielleicht anders. Der 2500 Meter hohe Berg ist einer der aktivsten Vulkane auf den Philippinen. Erst im Sommer waren 30 000 Menschen geflüchtet, weil der Berg mal wieder brodelte und bedrohlich dicke Rauchwolken spie. Damals beruhigte er sich wieder.

Jetzt hiess es, was da vom Berg gerutscht sei, seien Millionen Tonnen vulkanischer Sedimente und mit Regenwasser gemischte Asche gewesen. Nein, meinten andere Experten, dort sei nicht das im Sommer bei dem Ausbruch abgelagerte Material ins Rutschen geraten, sondern alte, hart gewordene Reste von früheren Vulkanausbrüchen.

Mit dem Wenn und Aber befassten sich die Leute von Padang und Daraga, von Busay und Santo Domingo am Freitag nicht. Die, die überlebt haben, blickten fassungslos auf den Gipfel «ihres» Berges.

Im Innern hatten sie bislang die grösste Gefahr vermutet, sich für einen verheerenden Vulkanausbruch gewappnet. Dass das Unheil von den Hängen kommen würde, ahnten sie nicht.

(sda)

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