Lizenzvergabe: Schlammschlacht um das grosse Casino-Geld

Aktualisiert

LizenzvergabeSchlammschlacht um das grosse Casino-Geld

Kurz vor der Vergabe der lukrativen Zürcher Casino-Lizenz wirft der Casino-Verband Novomatic vor, den Betrug von russischen Banden begünstigt zu haben. Letztere mischen im Lizenz-Poker mit – und wehren sich entsprechend.

von
meg
Russische Betrüger sollen Novomatic-Apparate manipuliert haben.

Russische Betrüger sollen Novomatic-Apparate manipuliert haben.

Wer die Casino-Lizenz für Zürich erhält, kann sich die Hände reiben. Den Inhabern winken Spieleinnahmen von jährlich 140 Millionen Franken. Wenige Wochen, bevor der Bundesrat auf Empfehlung der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) über die Vergabe der Lizenz entscheidet, ist bei den Bewerbern Feuer im Dach.

Dem österreichischen Spielautomatenhersteller Novomatic, der sich ebenfalls um eine Casino-Lizenz bewirbt, wird vorgeworfen, Schweizer Spielbanken nicht über Sicherheitsprobleme seiner Automaten informiert zu haben. So sei es Anfang des letzten Jahres zu einer mysteriösen Serie mutmasslicher Betrugsfälle gekommen. Neun russische Spieler sollen in Schweizer Casinos massive Gewinne erzielt haben, indem sie Novomatic-Automaten manipuliert hätten. In einem Schreiben wird dem österreichischen Konzern vorgeworfen, ihre Glücksspielautomaten liessen sich durch eine Tastenkombination austricksen.

«Nicht belegt, dass Automaten knackbar sind»

Das Schreiben stammt vom Schweizer Casino-Verband und bringt kurz vor der Lizenzvergabe den österreichischen Milliardenkonzern unter Druck. Denn Novomatic steht hinter drei der fünf eingereichten Bewerbungen für die lukrative Zürcher Casino-Lizenz. Das wollten die Österreicher nicht unkommentiert lassen. Der Berner Anwalt Peter Bratschi, der die Novomatic-Kandidatur als Verwaltungsrat der Casino Zürich AG vertritt, spricht in der Zeitung «Sonntag» von einer «übereilten und einseitigen Stellungnahme». Er habe beim Verband interveniert, weil die Gebote der Fairness nicht mehr eingehalten würden. Die Automaten seien von der ESBK «homologiert und zertifiziert». «Warum die Russen abnormale Gewinnsequenzen herausgespielt haben, ist unklar. Es ist in keiner Weise belegt, die Novomatic-Apparate seien knackbar», so Bratschi weiter.

Gemäss einem Branchenkenner sei es kein Zufall, dass ausgerechnet russische Ganoven die Novomatic-Apparate austricksten, schreibt die «NZZ am Sonntag». Der österreichische Konzern habe Moskau im grossen Stil mit seinen Automaten beliefert. Seit 2009 gilt in fast ganz Russland aber ein Glücksspielverbot. Die Geräte seien nach dem Verbot in die Hände von Ganoven gefallen, die so lange daran herumgetüftelt hätten, bis sie den Algorithmus geknackt hätten, so der Branchenkenner weiter. Unklar bleibt, ob und wenn ja welche Interessen der Branchenkenner in der Vergabe um die Zürcher Casino-Lizenz verfolgt.

Partner und Konkurrenten

Peter Bratschi vermutet hinter den Manipulationsvorwürfen denn auch «gewisse Konkurrenten». Im «Sonntag» weist er darauf hin, dass der Präsident des Schweizer Casino-Verbands derzeit im Spital sei und mit Peter Probst der Vizepräsident die Leitung innehabe. Probst sitzt im Verwaltungsrat der Casino Baden AG. Und als Vertreter des Casinos Baden verfolge er eigene Interessen, so Bratschi. Pikant ist, dass die Grand Casino Baden bei ihren beiden eingereichten Zürcher Projekten beide Male die Novomatic mit im Boot hat. Beim Casino-Projekt am Beatenplatz sind die Österreicher mit 19.5 Prozent beteiligt. Und auch beim Projekt an der Sihlporte spannt das Casino Baden mit der Novomativ zusammen. Laut «Sonntag» gibt es beim Projekt-Sihlporte allerdings Unstimmigkeiten.

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