Erdbeben in China: Schlamperei brachte Schulen zum Einsturz
Aktualisiert

Erdbeben in ChinaSchlamperei brachte Schulen zum Einsturz

Das schwere Erdbeben vom Mai in China zerstörte besonders viele Schulhäuser. Erstmals wird nun von offizieller Seite zugegeben, dass Baumängel die Katastrophe begünstigten.

Das schwerste Erdbeben in China seit 30 Jahren forderte im Mai in der Provinz Sichuan rund 70 000 Todesopfer. Viele waren Schülerinnen und Schüler, die unter ihren kollabierenden Klassenzimmern begraben wurden. Dies führte zu scharfer Kritik von Eltern, die häufig ihr einziges Kind verloren hatten. Der Geologe Ma Zongjin, Leiter einer von der Regierung eingesetzten Expertenkommission, erklärte nun, dass schlechte Qualität des Baumaterials und ungenügende Statik von grossen Klassenräumen zwei Gründe dafür sein dürften, dass mehr als 1000 Schulhäuser beschädigt wurden.

«In den letzten Jahren wurden viele Schulhäuser in China gebaut, und in diesem Prozess der raschen Entwicklung dürften einige Probleme aufgetreten sein», sagte Ma vor Reportern in Peking. «Die Struktur der Gebäude dürfte nicht stabil genug und das verwendete Material nicht stark genug gewesen sein.» Von der Regierung ins Krisengebiete entsandte Experten hatten auch Fragen zur Qualität der Bauarbeiten und zur Beachtung der Bauvorschriften gestellt. Doch Mas Stellungnahme vom Donnerstag war bei aller Vorsicht der erste Hinweis, zu welchen Ergebnissen die offizielle Untersuchung gelangen dürfte.

Die Regierung hatte harte Strafen für die Verantwortlichen angekündigt. Bislang jedoch wurde noch niemand zur Rechenschaft gezogen. Nach Angaben der Regierung wurden rund 7000 Schulzimmer beim Beben zerstört. Wie viele Kinder dabei umkamen, wurde bislang nicht bekannt gegeben. In vielen Fällen waren Schulhäuser die einzigen Gebäude in einer Region, die vollständig einstürzten. Auswärtige Experten hatten China für die mangelnde Bereitschaft zum Bau sicherer Schulen kritisiert.

(pbl/ap)

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