Aktualisiert 09.07.2010 05:43

0:1-Niederlage

«Schland» unter

Spanien stürzt Deutschland vom siebten WM-Himmel direkt ins Jammertal. Das Land wird von einer Tränenwelle geflutet.

von
Patrick Toggweiler

Alleine auf der Berliner Fanmeile auf der Strasse des 17. Junis versammelten sich 350 000 Fans zum Public Viewing. 50 000 waren es im Olympia-Stadion in München. 20 000 auf dem Dortmunder Friedensplatz. In Stuttgart sollen über 1500 Kneipen, Höfe und Plätze in Public-Viewing-Zonen umgewandelt worden sein. Der deutsche Hurra-Fussball war kollektiver Freudentaumel. So wie die Gala-Vorstellungen gegen England und Deutschland grenzenlosen Jubel auslösten, so tränenreich war die gestrige Niederlage gegen das übermächtige Spanien. Deutschland eine Bewässerungsanlage.

Enttäuschte Deutschland-Fans auf der Berliner Fanmeile:

Flitzer im Spiel Deutschland gegen Spanien

Deutlich mehr Aggressionen

«Das ist wie eine Beerdigung, das ist so traurig, mein Herz tut so weh», sagte eine Fanmeilen-Besucherin gegenüber «n-tv». Während die Tränen zahlreich flossen, gelang einigen Unverbesserlichen die Verarbeitung der Niederlage nur mit Gewalt. In Berlin wurden neun Personen vorübergehend festgenommen. Sie hatten sich zum Teil vor den laufenden Kameras des «ZDF» eine Keilerei geliefert. Gegenüber «Spiegel Online» sprach ein Polizeisprecher von einer «insgesamt aggressiveren Stimmung» als bei den letzten Spielen.

Auch im Land der Sieger flogen die Fäuste. In Pamplona kämpften spanische Anhänger gegen Basken, welche in Deutschland-Montur auf einem Public Viewing aufmarschiert waren.

Aufeinandertreffen im 17. Bundesland

Am härtesten traf es die 10 000 Deutschland-Fans auf Mallorca. Im sogenannten 17. Bundesland wurden Tausende schonungslos mit dem Jubel der Einheimischen konfrontiert. Wie «Spiegel Online» berichtet, sollen die Spanier ihre Freudentänze vor allem vor Lokalen mit deutscher Kundschaft aufgeführt haben. Zu Aggressionen kam es derweil nicht. Das Polizeiaufgebot wurde für das Halbfinale verdoppelt.

Die Regenschauer über Deutschland wird nur von kurzer Dauer sein. Bald wird man begreifen, dass diese Mannschaft nicht nur für die fussballerischen Highlights in Südafrika zuständig war, sondern mit ihrem frischen Auftritt, ihrer Jugend und ihrem Multikulti das Land international ins beste Licht gerückt hat. Und vielleicht hilft die kurzfristige Bewässerung den benachbarten «Tulpensöhnen», um über sich hinaus zu wachsen. Denn das wird nötig sein, will Holland gegen Spanien bestehen.

«Wir kommen 2014 ins Finale,» heisst es unter diesen Deutschland-Fans:

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