Aktualisiert 05.04.2005 11:26

Schlange vor Petersdom wird länger und länger

Die Schlange der Wartenden vor dem Petersdom ist am Dienstag auf mehrere Kilometer angewachsen. Zahllose Gläubige stiegen am Morgen aus Sonderbussen und reihten sich ein, um von Papst Johannes Paul II. Abschied zu nehmen.

Der am Samstag verstorbene Pontifex ist seit Montagabend in der Basilika aufgebahrt. Das Kardinalskollegium setzte unterdessen die Vorbereitung der für Freitag geplanten Beisetzung fort.

Tausende Menschen hatten in der kalten Nacht auf dem Petersplatz ausgeharrt, in Schlafsäcke oder Decken gehüllt. Mitarbeiter des Zivilschutzes versorgten sie mit Tee und Croissants. Der Dom blieb nur von 03.00 Uhr bis 04.30 Uhr zu Reinigungsarbeiten geschlossen. Dennoch stauten sich immer mehr Wartende in den Strassen. «Es ist ein aussergewöhnlicher Tag», sagte Kardinal Tarcisio Bertone, Erzbischof von Genua, der die Pilger grüsste. Die vielen Menschen seien gekommen, um dem Papst all die Liebe zurückzugeben, die er der Welt gegeben habe.

In den kommenden Tagen werden in Rom bis zu drei Millionen Gläubige und Schaulustige erwartet. Für die Beerdigung, die am Freitag um 10.00 Uhr unter der Leitung des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger beginnen soll, haben sich zahllose Staatsoberhäupter und Würdenträger aus aller Welt angekündigt. «Es wird ein Ereignis ohne Beispiel», sagte der Bürgermeister Roms, Walter Veltroni, am Montag. Das öffentliche Leben werde vollkommen zum Erliegen kommen, um die Demonstration der Liebe für den Papst zu ermöglichen.

Johannes Paul wird, wie schon zahlreiche seiner Vorgänger, in der Krypta unter dem Hauptaltar des Petersdoms seine letzte Ruhestätte finden. Für das Kardinalskollegium begann am Dienstag der zweite Tag der Vorbereitungen auf die Trauerzeremonie. Auf ihrer Tagesordnung stand zudem ein Einblick in das Testament des Papstes. Eines der Dokumente, die der Papst hinterlassen hat, müsste die Identität eines noch unbekannten Kardinals preisgeben, den der Papst 2003 im Geheimen ernannt hat. Bislang wird der Kardinal als «in pectore» (im Herzen) bezeichnet. Die Formel wird angewendet, wenn der Papst eine Ernennung in einem Land vornehmen will, in dem die katholische Kirche unterdrückt wird.

Der kubanische Staatschef Fidel Castro würdigte unterdessen den Einsatz von Papst Johannes Paul II. für den Frieden und für die Armen. In seinem Eintrag im Kondolenzbuch des päpstlichen Nuntius in Havanna hob Castro ausserdem hervor, dass der verstorbene Papst bei seinem Besuch in Kuba 1998 das US-Handelsembargo gegen den kommunistischen Staat kritisiert habe. Dafür sei Johannes Paul «für immer der Dank und die Zuneigung aller Kubaner» sicher. Anschliessend nahm Castro gemeinsam mit mehreren tausend weiteren Menschen an einer Messe in der Kathedrale von Havanna teil. Zur Trauerfeier für den Papst in Rom will Kuba seinen Parlamentspräsidenten Ricardo Alarcon entsenden.

(dapd)

Trauerfeier wird zum Staats-Gipfel

Zur Trauerfeier für Papst Johannes Paul am Freitag in Rom werden Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus mehr als 50 Staaten erwartet.

Die Schweiz wird beim jetzigen Kenntnisstand von Bundespräsident Samuel Schmid repräsentiert.

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