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Schlangen am «Zug der Erinnerung»

Den «Zug der Erinnerung» - eine Ausstellung über die Deportation von Kindern während der NS-Zeit - haben im Berliner Ostbahnhof mehrere Tausend Menschen besichtigt.

Wie der Sprecher der Initiative, Hans-Rüdiger Minow, sagte, standen die Menschen zwei bis vier Stunden an, um die Ausstellung zu sehen.

Von Sonntag an hält der «Zug der Erinnerung» zehn Tage lang an Bahnhöfen der Hauptstadt. Er soll unter anderem Station machen an den ehemaligen Deportationsbahnhöfen Grunewald und Westhafen sowie am Alexanderplatz. Einen Halt im neuen Berliner Hauptbahnhof lehnte die Bahn ab.

Der Zug ist seit November in Deutschland unterwegs. Insgesamt haben ihn bislang 160.000 Menschen besichtigt.

Knatsch zwischen Initianten und DB

Der Streit der Initiative «Zug der Erinnerung» mit der Deutschen Bahn zieht weitere Kreise. Die mobile Ausstellung, die an die Deportation jüdischer Kinder und Jugendlicher in der NS-Zeit erinnert, soll ab Sonntag für zehn Tage in Berlin Station machen. Nach den Wünschen der Organisatoren soll der Zug an fünf Hauptstadt-Bahnhöfen halten. Die Bahn lehnte am Dienstag zwar weiter den Halt am Hauptbahnhof ab, bot aber ein Gleis des S-Bahnhofs Grunewald nahe der Gedenkstätte für die Deportationen aus Berlin an.

Der Sprecher der Initiative, Hans-Rüdiger Minow, nannte das Verhalten der Bahn beschämend. Die Gründe für die Ablehnung der gewünschten Stopps seien «rechtsirrtümlich, falsch und vorgeschoben». Die Initiative wollte allerdings auf das Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald fahren, zu dem gar keine Schienenverbindung mit dem übrigen Netz mehr besteht. «Damit können Züge das Mahnmal schlichtweg nicht erreichen», erklärte die Bahn. «Wer aus solch unlegbaren Fakten böse Absichten ableitet, handelt wider besseres Wissen» sagte Konzernsprecher Oliver Schumacher.

Die Ablehnung des Hauptbahnhofs als mehrtägigen Stopp des «Zuges der Erinnerung» begründete die Bahn mit technischen Problemen. Im Hauptbahnhof würde die Dampflok den Verkehr zu stark behindern, erklärte Bahnsprecher Jens-Oliver Voss. Ausserdem könne man die Rauchmelder im Bahnhof nicht abschalten.

Die Bahn bot zahlreiche Berliner Bahnhöfe als Ausweichhalt an, darunter Schöneweide, Lichtenberg, Charlottenburg, Südkreuz und Gesundbrunnen. Den Vorwurf der Organisatoren, die Bahn behindere die rollende Ausstellung, wies Voss zurück. «Wir fördern und befürworten jede Initiative, die sich seriös mit dem Nationalsozialismus und der Reichsbahn in dieser Zeit auseinandersetzt.» Die Entscheidung der Bahn zum Hauptbahnhof und zum Bahnhof Grunewald werde derzeit von der Bundesnetzagentur überprüft.

Der Gedenkzug fährt seit November durch deutsche Städte und soll am 8. Mai im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz ankommen. Zwischen der Initiative und der Bahn hatte es in der Vergangenheit wiederholt Streit über die Nutzung von Bahnhöfen gegeben. Für Differenzen sorgten ausserdem die Trassengebühren, die die Bahn dem Verein in Rechnung stellt. Voss erklärte, die Bahn sei dazu gesetzlich gezwungen. «Es gibt in diesem Fall keine Ausnahmeregelung.»

Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz bezeichnete das Verhalten der Bahn als «absolut unverständlich, peinlich und provinziell». Bahnchef Hartmut Mehdorn müsse endlich ein Machtwort sprechen. «Dass der Zug der Erinnerung ausgerechnet in Berlin aufs Abstellgleis geschoben werden soll, ist nicht hinnehmbar», erklärte Schmitz.

(dapd)

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