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Schlankmachende Slips

Bisher musste Unterwäsche sitzen und nett aussehen. Heutzutage muss die Wäsche mehr leisten. BHs sollen den Busen in Form bringen, Unterhöschen den Po liften und Speckröllchen am Bauch kaschieren.

Körperformende Dessous aus stützenden Materialien, neudeutsch Bodyshaper, sind schwer im Kommen. Mode-Experten streiten noch, ob die verbreitete Fettleibigkeit, der Jugendwahn oder die hautenge Mode diesen Trend ausgelöst haben. Tatsache aber ist: Immer mehr Frauen schummeln sich schön.

Weltweit greifen Kundinnen zu selbstklebenden Silikon-BHs für ein schönes Dekolleté oder zu Slips mit integrierten Schaumstoffkissen, die einen knackigen Po à la Jennifer Lopez versprechen.

Virginie Gondoui von der weltgrössten Fachmesse für Unterwäsche, dem «Salon de la Lingerie» in Paris, erklärt sich den Boom der Bodyshaper mit der aktuellen Mode. «Durch die Rückkehr hautenger Kleidung ist schlankmachende Unterwäsche zu einem Muss geworden», sagt sie.

Die Wäschehersteller freut es. Näher könne man einem Waschbrettbauch und einem wohlgerundeten Po ohne Training im Fitnessstudio nicht kommen, wirbt eine Firma, zu deren Stammkunden auch Promis wie Gwyneth Paltrow gehören sollen.

Möglich wurde das Mogelmieder durch den technischen Fortschritt. Vor rund zehn Jahren spuckten Hightech-Rundstrickmaschinen erstmals nahtlose Kleidung aus Stretchfasern aus, die den Körper in Form zu bringen vermögen. Die Idee mit der Unterwäsche kam der amerikanischen Firma «The Body Wrap» damals fast zufällig.

Lukrative Entdeckung

Eigentlich war ein Bauch-weg-Gürtel für Badeanzüge geplant. Das habe leider nicht funktioniert, berichtet Geschäftsführer Scott Smith. «Aber als ich das nahtlose Kleidungsstück herumgezeigt habe, waren alle begeistert.» Prompt entwarf die Firma einen BH und Slips, kaufte neue Rundstrickmaschinen und legte los.

«Das hat geklappt», erzählt Smith, der heute jährlich rund eine Million Kleidungsstücke aus Elasthan und Nylon in mehr als 50 Länder verkauft. Darunter sind auch Dessous in Grösse XXXXXXXL.

Hauptzielgruppe sind diese Kundinnen allerdings nicht. Nur rund 18 Prozent der Käufer sind übergewichtig, wie Smith erläutert. Seinen Worten zufolge halten die waschbaren Bodyshaper vier bis fünf Jahre. «Sie machen dich nicht schlanker, aber du fühlst dich knackiger», schwärmt er.

Oben wird dazu geschummelt

Was die neue Unterwäsche an Po und Hüften kaschiert, wird obenrum dazu geschummelt. Im Trend liegen weiche Polster aus Silikon oder Schaumstoff, die in den BH gesteckt oder direkt auf die Haut geklebt werden und das passende Dekolleté zum tiefausgeschnittenen Kleid formen.

Wer es besonders üppig mag, greift zum BH-Polster mit integrierter Luftpumpe, das sich bei Bedarf aufbläst. Mehr als 30 000 solcher Sets hat die holländische Firma «Magic Body Fashion» seit der Markteinführung 2007 verkauft.

Noch nicht sexy

Doch auch wenn die neue Unterwäsche eine sexy Figur macht - sexy ist sie nicht. Im Gegensatz zu femininen Dessous, die weltweit im Trend liegen, kommen die fleischfarbenen beziehungsweise schlicht schwarzen oder weissen Bodyshaper ziemlich unerotisch daher.

«Man muss sie sexy machen», räumt Smith ein. Nach den Frauen über 40 Jahre nimmt der Wäscheproduzent nun die 20- bis 30-Jährigen ins Visier. Er plant, schimmerndes Lurex und Metallfäden in die Unterwäsche einzuweben. (sda)

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