Bussen bestätigt: Schlappe für Badezimmer-Kartell
Aktualisiert

Bussen bestätigtSchlappe für Badezimmer-Kartell

Verbotene Preisabsprachen unter Sanitärhändlern: Konsumenten in der EU zahlten jahrelang zu viel Geld für Badewannen, Duschkabinen und Wasserhähne.

Die Firmen hätten die Preise für Spülkästen, Duschkabinen, Duschtüren, Badewannen und Armaturen im Detail abgesprochen.

Die Firmen hätten die Preise für Spülkästen, Duschkabinen, Duschtüren, Badewannen und Armaturen im Detail abgesprochen.

Es war ein spektakuläres Badezimmer-Kartell: Jahrelang haben 17 Sanitärfirmen ihre Preise abgesprochen und Kunden geschädigt. 2010 verhängte die EU-Kommission Strafen, die Firmen klagten dagegen. Ohne Erfolg: Die Richter bestätigten die Strafen für deutsche Firmen.

Im Streit um eine EU-Kartellstrafe haben Villeroy & Boch und andere deutsche Sanitärausstatter eine juristische Schlappe erlitten. Das EU-Gericht bestätigte am Montag die Geldbussen, die die EU-Kommission 2010 gegen die Firmen wegen verbotener Preisabsprachen verhängt hatte. Kosumenten zahlten deshalb jahrelang zu viel Geld für Badewannen, Duschkabinen und Wasserhähne.

Strafen gegen 17 Firmen

Villeroy & Boch muss nach wie vor mit 71,5 Millionen Euro die höchste Strafe zahlen. Die Richter bestätigten auch die Geldbussen für die deutschen Firmen Duravit, Hansa und Dornbracht. Die Klage von Hansgrohe wurde abgewiesen. Die Firmen können sich gegen das Urteil vor der nächsthöheren Instanz, dem Europäischen Gerichtshof, wehren.

Insgesamt hatte die EU-Kommission 2010 gegen 17 Firmen Geldstrafen von insgesamt 622 Millionen Euro verhängt. Einige der Firmen hatten mit ihren Klagen in Luxemburg Erfolg: Die Richter reduzierten die Gesamtsumme um mehr als 200 Millionen Euro. Zur Begründung hiess es, die obersten Wettbewerbshüter Europas hätten die Beteiligung der Firma an dem Kartell falsch eingeschätzt oder deren Kooperation mit den Behörden nicht ausreichend berücksichtigt.

250 Mal getroffen

Die Teilnehmer des Kartells kamen aus Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Nach Ansicht der EU-Kommission hatten sie zwölf Jahre lang die Preise künstlich hoch gehalten. Die Firmen hätten die Preise für Spülkästen, Duschkabinen, Duschtüren, Badewannen und Armaturen im Detail abgesprochen. Mehr als 250 Mal hätten sich Firmenvertreter getroffen. (sda)

Kartellverdacht auch in der Schweiz

Die Wettbewerbskommission hat am 21. November 2011 eine Untersuchung gegen die zehn bedeutendsten schweizerischen Grosshändler für Produkte in den Bereichen Sanitär und Bäder sowie gegen den übergeordneten Verband eröffnet. Bei sieben Untersuchungsadressaten in den Kantonen Aargau, Bern, Uri, Waadt und Wallis wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Anzeigen und eine eigene Marktbeobachtung haben der WEKO Anhaltspunkte dafür gege-ben, dass die beteiligten Unternehmen kartellrechtswidrige Preis- und Gebietsabsprachen getroffen haben. Im Rahmen der Untersuchung soll geprüft werden, ob tatsächlich unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen vorliegen. Das WEKO erklärte auf Anfrage, das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. (whr)

Deine Meinung