Ständerat Kanton Zürich: «Schlatter hat Bisherigen das Fürchten gelehrt»

Aktualisiert

Ständerat Kanton Zürich«Schlatter hat Bisherigen das Fürchten gelehrt»

Der Kanton Zürich hat gewählt: Neben Daniel Jositsch (SP) zieht FDP-Politiker Ruedi Noser in den Ständerat. Seine Herausforderin zeigt sich enttäuscht.

Jennifer Furer
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Jennifer Furer
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Neben Daniel Jositsch (SP, mitte) zieht der bisherige Ständerat Ruedi Noser (FDP, links) ins Stöckli.  Durchstarterin Marionna Schlatter (Grüne, rechts) verpasste die Wahl im zweiten Wahlgang deutlich.

Neben Daniel Jositsch (SP, mitte) zieht der bisherige Ständerat Ruedi Noser (FDP, links) ins Stöckli. Durchstarterin Marionna Schlatter (Grüne, rechts) verpasste die Wahl im zweiten Wahlgang deutlich.

Keystone/Walter Bieri
Daniel Jositsch wurde am 20. Oktober mit 216'679 Stimmen in den Ständerat gewählt.

Daniel Jositsch wurde am 20. Oktober mit 216'679 Stimmen in den Ständerat gewählt.

Keystone/Walter Bieri
Tiana Angelina Moser (GLP, rechts) zog sich nach dem ersten Wahlgang zurück.

Tiana Angelina Moser (GLP, rechts) zog sich nach dem ersten Wahlgang zurück.

Keystone/Walter Bieri

Die Grünen-Politikerin Marionna Schlatter schafft die Überraschung nicht: Sie verfehlt deutlich die Wahl in den Ständerat. Diese geschafft hat der Bisherige Ruedi Noser (FDP). Er zieht neben Daniel Jositisch (SP), der bereits im ersten Wahlgang gewählt wurde, ins Stöckli.

«Ich freue mich sehr über dieses eindeutige Resultat», sagt Noser zu 20 Minuten. Es zeige, dass der Kanton Zürich sich eine starke Stimme wünscht, die sich für die Wirtschaft und den Bankplatz einsetzt.

Zürich kein linker Kanton

Politologe Dr. Louis Perron sagt, dass dieses Ergebnis erwartbar gewesen sei. «Es sprach einiges für den Bisherigen Noser. Entscheidend war sicher auch der Rückzug von SVP-Kandidat Roger Köppel.» Wäre dieser zum zweiten Wahlgang angetreten, wäre es auf die Stärke der jeweiligen Basis angekommen. «Da wäre Schlatter nicht schlecht dagestanden», so Perron.

Beim Kopf-an-Kopf-Rennen habe aber Noser ganz klar die Überhand gehabt. «Er sitzt fest im Sattel, ist kein Feindbild der Linken und hat im Wahlkampf und in seiner bisherigen Zeit als Ständerat keine grossen Fehler gemacht», so Perron. Zudem sei mit Jositsch bereits ein rot-grüner-Vertreter gewählt worden. «Es ist nun mal so, dass der Kanton Zürich kein linker Kanton, sondern in der Tendenz nach wie vor ein bürgerlicher Kanton ist.»

«Knall auf Fall auf der nationalen Ebene angekommen»

Als Verliererin sieht Perron die Grünen-Politikerin Schlatter nicht. Im Gegenteil: «Sie kann mit erhobenem Haupt aus dieser Schlacht ziehen.» Es sei eine schwierige Ausgangslage für die Grüne gewesen, gegen einen Bisherigen anzutreten – trotz der grünen Welle.

Dennoch: Vor kurzem habe man Schlatter ausserhalb politischer Kreise nicht gekannt. «Das ist jetzt anders: Sie hat einen Bisherigen das Fürchten gelehrt und ist Knall auf Fall auf der nationalen Ebene angekommen», sagt Perron. Im Nationalrat, in den sie bereits Ende Oktober gewählt wurde, werde sie Spuren hinterlassen, ist sich Perron sicher.

Schlatter selbst sagt gegenüber TeleZüri zu ihrem Resultat: «Ein bisschen Enttäuschung ist natürlich da. Ich hätte mir ein knapperes Resultat gewünscht.» Sie denke, dass ein Grund für die deutliche Niederlage die Mobilisierung durch die SVP gewesen sei. Diese Wähler hätten wohl Noser gewählt.

Wie Perron sagt die Grüne, dass die Wahl von SP-Politiker Jositsch eine Rolle gespielt habe. «Viele Bürgerinnen und Bürger wollten wohl noch das andere Spektrum berücksichtigen.» Zudem sei Noser ein Bisheriger — und diese würden bekanntlich kaum abgewählt. Sie freue sich aber jetzt, im Nationalrat zu politisieren und hofft, vieles für die Umwelt und den Klimaschutz zu erreichen.

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