Aktualisiert 03.08.2011 14:32

Toxischer Speichel-Mix

Schlaue Ratten bestreichen sich mit Gift

Um sich Fressfeinde vom Leib zu halten, greift die Afrikanische Mähnenratte tief in die Trickkiste. Sie gewinnt aus Rinde Pflanzengift, welches sie sich aufs Fell streicht.

Die schlaue Mähnenratte.

Die schlaue Mähnenratte.

Afrikanische Mähnenratten zerkauen Pflanzenrinde und gewinnen so das Gift. Dieses verteilen sie mit Speichel auf ihrem Fell. Das haben Forscher aus Grossbritannien herausgefunden.

Schon bei der kleinsten Berührung wird das Gift freigesetzt, wie die Wissenschaftler um Jonathan Kingdon und Fritz Vollrath von der University of Oxford im Fachmagazin «Proceedings of The Royal Society B» schreiben. Für das Raubtier kann solch eine Begegnung tödlich enden.

Wie eine Mähne stellen die kleinen Mäuseverwandten ihre Haare bei drohender Gefahr auf. Dabei erinnern sie eher an Stachelschweine als an Ratten. Die Gefahr lauert jedoch nicht im langen Deckhaar, sondern in versteckten Fellbereichen, die an beiden Seiten von den Ohren in Richtung Hinterteil verlaufen.

Vollgesogene Haare

Beim Aufstellen der Haare werden diese Bereiche aufgedeckt und eine gefährliche Berührung wahrscheinlicher. Die Forscher beobachteten, wie die Nagetiere an der Rinde der Strauchpflanze Acokanthera schimperi nagten und kauten und anschliessend ihre seitlichen Fellbereiche leckten. Diese Haarpartien analysierten die Zoologen genauer.

Unter dem Elektronenmikroskop beobachteten die Forscher im Innern der Haare dünne Gewebefäden, die sich dochtartig mit dem toxischen Speichel-Mix vollsaugen. Wie die Forscher berichten, wiesen sie darin pflanzliches Gift, so genannte Cardenolide, nach. Zu ihnen zählt auch Ouabain, das von den Einheimischen Afrikas lange Zeit als Pfeilgift bei der Jagd benutzt wurde.

Aus überlieferten Erzählungen über Begegnungen von Hunden und Mähnenratten seien verschiedene Wirkungen des Giftes bereits bekannt. Sie sollen von leichter Koordinationsschwäche bis hin zum plötzlichen Herzversagen reichen. Wieso das Gift bei den Ratten selbst offenbar keine schädliche Wirkung zeigt, sei noch nicht geklärt, schreiben die Forscher. (sda)

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