Megafusion: Schlechte Aussichten für die weltgrösste Airline
Aktualisiert

MegafusionSchlechte Aussichten für die weltgrösste Airline

American Airlines und US Airways fusionieren zur grössten Fluggesellschaft der Welt. Die wirtschaftlichen Perspektiven der Mega-Airline sind alles andere als rosig.

von
Sven Zaugg

1500 Maschinen, 6400 Flüge täglich, 38 Milliarden Umsatz, 140 Millionen Passagiere pro Jahr – aus der Fusion der maroden American Airlines und US Airways entsteht die grösste Fluggesellschaft der Welt. Künftig werden 94'000 Angestellte für den neuen Riesen arbeiten.

Doch bis der Deal unter Dach und Fach ist, dürften noch einige Monate vergehen. Verschiedene Behörden müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen, unter anderen das zuständige Konkursgericht und die US-Wettbewerbshüter.

Ob der Zusammenschluss den beiden US-Airlines eine rosige Zukunft beschert, ist jedoch alles andere als gewiss. Andreas Wittmer, Aviatik-Experte von der Universität St. Gallen, zweifelt, ob zwei Fluggesellschaften, wobei die grössere der beiden bankrott ist, in kurzer Zeit zu einem gewinnbringenden Unternehmen umgestaltet werden können.

Knackpunkt Kerosin

Ein weiterer Knackpunkt ist das Kerosin – es ist der zentrale Kostenfaktor bei den Airlines und macht im Schnitt gut 30 Prozent der operativen Kosten aus. Steigen die Preise beim fossilen Brennstoff so wie in den letzten Jahren, ächzen die Fluggesellschaften. Diese Kosten können auch mit einer Zusammenlegung der Flotten nicht gesenkt werden. «Und dass die zwei US-Airlines nicht gerade dafür bekannt sind, die modernsten Flugzeuge zu betreiben, ist kein Geheimnis», so Wittmer.

Die Frage also bleibt: Kann aus diesen beiden Fluggesellschaften ein gesundes Unternehmen gebaut werden? Die Vorzeichen sind schlecht: Vor dem Bankrott hatte American Airlines Verluste in Milliardenhöhe angehäuft und konnte die Geschäfte seit 2011 nur dank dem Insolvenzverfahren Chapter 11 (siehe Box) weiterführen.

Der Deal soll das Unternehmen nun vor der Pleite retten. Doch der Markt, in dem sich die bald grössten Fluggesellschaft behaupten muss, ist hart umkämpft: «Es stellt sich die Frage, ob ein so grosses und damit wohl auch trägeres Unternehmen auf die dynamischen Herausforderungen des Fluggeschäfts angemessen reagieren kann», ergänzt Wittmer.

Nordamerikanischer Markt als Monopol

Die Fluggesellschaften stehen seit langem unter einem hohen Margendruck: «Die Einnahmen sind zu gering, um nachhaltig Reserven zu bilden», erklärt Wittmer. Die Preisspirale habe sich in den letzten Jahren zu schnell und zu stark nach unten gedreht.

Das goutieren zwar die Kunden, die dadurch für Schnäppchenpreise um den Globus jetten können. Den Airlines, deren Geschäft nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 einbrach und sich während der Finanzkrise weiter verschlechterte, brach es - zumindest teilweise - das Genick.

Ganz so billig wird das Fliegen innerhalb der USA in den kommenden Jahren allerdings kaum mehr sein. Die neue Airline dürfte sich eine «monopolistische Kraft» im nordamerikanischen Markt aufbauen, wie Wittmer sagt: «Das könnte die Ticketpreise verteuern.» Die Fusion könnte aber auch einen Vorteil für die Kunden mit sich bringen: «Vorausgesetzt das Netzwerk der beiden Airlines wird optimal aufeinander abgestimmt, profitieren die Passagiere von schnelleren Umsteigezeiten», sagt Wittmer.

Einsparungen in Milliardenhöhe

Das Geschäft der Swiss ist von der Megafusion nur marginal betroffen. Grundsätzlich biete die Swiss in ihrer Nische ein Qualitätsprodukt an, mit dem der neue Riese nicht mithalten könne, sagt Wittmer. «Nachteilig dürften die Verluste der Netzanbindung in den USA sein, da die US Airways neu nicht mehr bei der Star Alliance ist.» Die neue Airline wird demnach dem Flugbündnis Oneworld beitreten.

Dass die Megafusion nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne gehen wird, ist abzusehen. US-Medienberichten zufolge dürften vor allem Piloten von neuen Sparrunden getroffen werden. Geplant ist auch, Pensionsleistungen zu kürzen. Durch die Fusion sollen laut American Airlines und US Airways ab 2015 1,2 Milliarden Dollar eingespart werden.

Die Fusion

American Airlines erwartet. (sza)

Chapter 11

Reorganisationen des Unternehmens abgeschlossen ist. (sza)

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