23.12.2016 18:59

Bussen drohen

Schlechte Einrück-Moral bei Zivilschützern

Sie kommen zu spät oder gar nicht, beantragen im letzten Moment Ferien: Kommandanten bemängeln die Haltung der Zivlischutzleistenden.

von
num
Der Zivilschutz wird auch bei Hochwasser wie hier im Kanton Waadt  eingesetzt.

Der Zivilschutz wird auch bei Hochwasser wie hier im Kanton Waadt eingesetzt.

Keystone/Maxime Schmid

Zivilschutzleistende sollten wie Angehörige der Armee zu ihren Wiederholungskursen auftauchen. Allerdings hapert es da mit der Moral, wie verschiedene Kommandanten von regionalen Zivilschutzleistenden im Kanton Solothurn der «Solothurner Zeitung» erzählen. Markus Böhi, Kommandant in Grenchen, spricht zwar von einem kleinen Prozentsatz aller Fälle, doch die Bereitschaft nehme seit Jahren ab.

So gibt es gemäss Böhi viele Fälle, bei denen Zivilschützer bis zu einer halben Stunde zu spät einrückten und sich dann einfach dazusetzen würden, als wäre nichts geschehen. Andere vergessen das Einrücken gleich ganz oder melden sich kurzfristig ab – manchmal nur eine Woche vor Beginn des WK.

Küchenchef nicht eingerückt

Dies sei für ihn ein unhaltbarer Zustand, erzählt Böhi der Zeitung. Zumal es auch schon vorkommen könne, dass der Küchenchef nicht einrücke – und der Kommandant die Organisation umkrempeln müsse.

In Solothurn gibts deswegen bereits eine Sonderregelung für Verschiebungsfreudige: «Wir haben Ende Jahr spezielle WK für diejenigen, die an den aufgebotenen Diensttagen nicht einrücken können», sagt Martin Allemann, Kommandant des RZSO Solothurn, zur «Solothurner Zeitung».

Bussen bis zu 5000 Franken drohen

In Solothurn heisst es, dass es immer einen gewissen Anteil an Dienstleistenden gebe, bei dem der Einsatzwille wenig ausgeprägt sei. Ähnlich klingt es in Olten: Uneinsichtige Einzelfälle habe es schon immer gegeben.

Was viele Zivilschützer nicht wissen: Drückt der Kommandant nicht beide Augen zu, kann er sie die volle Härte des Gesetzes spüren lassen. Bei Widerhandlung gegen das Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz kann eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe – welche die Dienstverweigerer im Extremfall 5000 Franken kosten kann – drohen. In Grenchen will der Kommandant künftig härter durchgreifen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Zivilschutz? Haben Sie schon mal eine Busse kassiert? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen ins Kommentarfeld.

Zivildienst zu attraktiv?

Mehr als 6000 junge Männer wollen dieses Jahr zum Zivildienst. Das zeigen neue Zahlen, wie «SRF» berichtet. Die Armee braucht jedoch jedes Jahr 18'500 Personen, welche die Rekrutenschule abschliessen – dieses Jahr verpasst sie dieses Ziel voraussichtlich knapp. Laut einem Armee-Sprecher ist der Zivildienst zu attraktiv. Die Zivildienst-Vollzugsstelle widerspricht laut «SRF»: Wer Zivildienst leisten wolle, würde ohne diese Möglichkeit nicht automatisch zum Militärdienst wechseln.

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