Knatsch in Aarau: Schlechte Energiebilanz – Club muss schliessen
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Knatsch in AarauSchlechte Energiebilanz – Club muss schliessen

Der Club Schlaflos in Aarau muss dicht machen: Das Gebäude ist zu wenig energieeffizient. Der Betreiber prangert deswegen die Stadt an, doch diese kontert.

von
rom
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Dieses zweistöckige Lagergebäude in der Aarauer Telli hat eine schlechte Energiebilanz.

Dieses zweistöckige Lagergebäude in der Aarauer Telli hat eine schlechte Energiebilanz.

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Deshalb erhielt der Club Schlaflos nur eine Baubewilligung für provisorische Bauten. Diese ist nun abgelaufen – es hat sich ausgetanzt.

Deshalb erhielt der Club Schlaflos nur eine Baubewilligung für provisorische Bauten. Diese ist nun abgelaufen – es hat sich ausgetanzt.

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Es ist die vorläufig letzte Party am Freitagabend im Member-Club Schlaflos in der Aarauer Telli, denn die Baubewilligung für provisorische Bauten der Stadt ist abgelaufen. Das Problem: Für eine dauerhafte Baubewilligung hätte der Club den Boden für rund 100'000 Franken isolieren müssen, denn das Gebäude ist eine Energieschleuder.

Doch das kommt für Schlaflos-Betreiber Philipp Glauser nicht in Frage: «Weil das Gebäude 2020 ohnehin abgerissen wird, ergibt eine solche Investition keinen Sinn, es wäre eher Energieverschwendung», sagte er der «Aargauer Zeitung». Vom Stadtrat fühlt er sich im Stich gelassen: «Jede Initiative wird von vornherein abgewürgt.» Das habe er auch von Bekannten gehört, die im Aarauer Nachtleben etwas Neues aufbauen wollten.

Petition fordert Ausnahmebewilligung

Das Schlaflos ist der einzige Club in Aarau, der freitags und samstags bis 6 Uhr offen hat. Von den 750 Members sei jeweils rund ein Viertel im Club anwesend. DJs aus der ganzen Welt legen hier vornehmlich elektronische Musik auf. Damit der Club weiterbestehen kann, wurde eine Petition gestartet. Diese fordert von der Stadt eine Ausnahmebewilligung bis 2020.

«Wenn wir das machen, brechen wir das Gesetz, und beim nächsten Mal kommen andere und wollen ebenfalls gleich behandelt werden», sagt Stadtbaumeister Jan Hlavica zu 20 Minuten. «Eine Verlängerung der bisherigen Baubewilligung ist nach Gesetz ebenfalls nicht möglich.» Gewiss sei es unverhältnismässig, 100'000 Franken für eine Bodenisolation auszugeben, «aber wir haben Hand geboten beispielsweise für eine beschränkte Nutzung nur im Sommer, wenn nicht geheizt werden muss.»

«Auch wir wären an einer Lösung interessiert»

Laut Hlavica hat jedes Gebäude in der Schweiz bestimmte Energievorschriften zu erfüllen. Das zweistöckige Lagergebäude, in dem sich das Schlaflos befindet, erfülle diese jedoch nicht. Deshalb habe die Stadt 2014 eine Baubewilligung für provisorische Bauten erteilt – eine solche sei allerdings auf maximal drei Jahre befristet und laufe nun eben aus.

«Der Betreiber hat dies bereits 2014 gewusst und damals schriftlich akzeptiert», sagt Hlavica. «Auch wir wären an einer Lösung mit Herrn Glauser interessiert, doch dafür müsste er überhaupt einmal mit uns reden wollen.»

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