26.01.2019 12:32

Bakterielle InfektionSchlechte Mundhygiene könnte Alzheimer auslösen

Forscher haben im Gehirn von Alzheimer-Patienten eine Bakterienart gefunden, die als Erreger von Zahn- und Zahnfleischerkrankungen bekannt ist.

von
jcg
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Zahn- und Zahnfleischerkrankungen könnten bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle spielen.

Zahn- und Zahnfleischerkrankungen könnten bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle spielen.

Keystone/Gaetan Bally
Zu diesem Schluss kommen US-Forscher. Sie haben in den Gehirnen von verstorbenen Alzheimer-Patienten das Bakterium Porphyromonas gingivalis gefunden, das für chronische Parodontitis verantwortlich ist.

Zu diesem Schluss kommen US-Forscher. Sie haben in den Gehirnen von verstorbenen Alzheimer-Patienten das Bakterium Porphyromonas gingivalis gefunden, das für chronische Parodontitis verantwortlich ist.

iStock/Zokara
Das Bakterium sondert das giftige Enzym Gingipain ab, was wiederum zur Bildung des antibakteriellen Proteins Beta-Amyloid führt, dessen Ablagerungen mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden. (Im Bild: Rote Gingipain zwischen den Neuronen im Gehirn eines Alzheimerpatienten.)

Das Bakterium sondert das giftige Enzym Gingipain ab, was wiederum zur Bildung des antibakteriellen Proteins Beta-Amyloid führt, dessen Ablagerungen mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden. (Im Bild: Rote Gingipain zwischen den Neuronen im Gehirn eines Alzheimerpatienten.)

Cortexyme, Inc.

In der Wissenschaft steht seit einiger Zeit die These im Raum, dass es sich bei der Demenzkrankheit Alzheimer um eine Infektionskrankheit handeln könnte. Noch ist es Forschern nicht gelungen, die genauen Abläufe einer solchen Infektion zu verstehen. Eine neue Studie hat nun aber den bisher klarsten Hinweis gefunden, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Alzheimer und einer bakteriellen Infektion besteht.

Forscher um den Mikrobiologen Jan Potempa von der amerikanischen Universität Louisville haben das Bakterium Porphyromonas gingivalis, das für Zahn- und Zahnfleischerkrankungen verantwortlich ist, in den Gehirnen verstorbener Alzheimerpatienten entdeckt.

Anschliessend haben die Forscher in Experimenten mit Mäusen festgestellt, dass eine Mundinfektion tatsächlich zu einer Ansiedelung der Bakterien im Hirn führt. Sie lösten im Hirn eine verstärkte Produktion des antibakteriellen Eiweisses Beta-Amyloid aus, dessen Ablagerungen mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden.

Wirkstoff entwickelt

Gleichzeitig fanden die Forscher in den Hirnen Gingipain. Das sind giftige, von den Bakterien gebildete Enzyme. Diese fanden sie auch in Gehirnen von Verstorbenen, bei denen nie Alzheimer diagnostiziert worden war. Möglicherweise wäre bei ihnen aber Alzheimer ausgebrochen, hätten sie länger gelebt. Die Forscher werten das als Zeichen, dass nicht etwa Alzheimer zu Zahn- und Zahnfleischerkrankungen führt, sondern umgekehrt.

Das an der Studie beteiligte Pharma-Start-up Cortexyme hat im Zuge der Forschung einen Wirkstoff namens COR388 entwickelt, der im Experiment mit Mäusen die Bakterienzahl bei einer Infektion des Hirns mit Porphyromonas gingivalis reduzierte ebenso wie die Beta-Amyloid-Produktion. Noch ist es aber laut den Forschern nicht möglich, eine Wirksamkeit von COR388 im Kampf gegen Alzheimer zu bestätigen.

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