Aktualisiert 14.06.2005 12:08

Schlechte Zahlungsmoral in der Schweiz

Die Zahlungsmoral in der Schweiz hat sich letztes Jahr verschlechtert. In einem europaweiten Vergleich der Inkassofirma Intrum Justitia rutschte die Schweiz um einen Rang auf den achten Platz zurück.

Dies gab die Unternehmung am Dienstag bekannt. Die Forderungsrisiken nahmen gleichzeitig zu.

Die Schweiz gehörte in der jährlichen Umfrage von Intrum Justitia in 21 Staaten zu jenen vier, in denen die Forderungsrisiken gestiegen sind, wie es an einer Medienkonferenz in Zürich hiess. In den übrigen 17 Staaten gingen die Risiken zurück. Die geringsten Risiken bestanden gemäss der Umfrage in Finnland, das seine Spitzenposition verteidigte. Dahinter folgten Schweden, Norwegen, Dänemark, Irland, Frankreich und Britannien. Hinter der Schweiz waren Österreich, die Niederlande, Estland und Lettland platziert. Die höchsten Risiken wiesen Portugal, Tschechien, Griechenland und Zypern auf; die beiden Letzteren wurden erstmals in die Untersuchung einbezogen.

Die Zahlungsrisiken in der Schweiz stiegen seit Messbeginn im Jahre 2002 zusehends, wie Intrum Justitia berichtete. Anfang 2002 kam die Schweiz auf 135 Punkte des von der Firma entwickelten Payment Indexes. Ende letzten Jahren waren es bereits 149, und in den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden 150 Indexpunkte erreicht. Der Payment Index dient der Risikobewertung: Ein Indexwert von 100 bedeutet, dass keine Zahlungsrisiken vorhanden sind. Bis 124 werden vorsorgliche Massnahmen und Controlling-Prozesse zur Sicherung des Ist-Zustandes, ab 125 Punkten mit zunehmender Dringlichkeit Massnahmen zur Senkung des Risikoprofils empfohlen.

Langsamste Zahlerin in der Schweiz ist gemäss den Angaben der Staat. Werden Rechnung von Privatkunden im Durchschnitt innert 42,5 und von Firmenkunden innert 45,2 Tagen bezahlt, braucht die öffentliche Hand dafür 48,4 Tage. In Skandinavien dauert dies nur 33,5 Tage. Im europäischen Gesamtschnitt sind es allerdings 68,1 Tage. Die lange Zahlungsdauer bei der öffentlichen Hand hat gemäss Intrum Justitia für kleine und mittlere Unternehmungen (KMU) unangenehme Folgen. Eine KMU mit 15 Millionen Franken Jahresumsatz, die ausschliesslich die öffentliche Hand beliefert, benötigt im Vergleich zu einem gleich grossen Betrieb im Privatkundensegment zusätzliche Bankkredite von 250.000 Franken.

Auch bei den Zahlungsverlusten verschlechterte sich die Lage in der Schweiz: Während sie in Europa um 0,2 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent zurückgingen, lagen sie in der Schweiz im ersten Quartal 2005 mit 1,9 Prozent 0,1 Punkte höher als im Vorquartal. Entsprechend fiel die Reaktion der Unternehmungen aus: 9,3 Prozent der befragten Schweizer Firmen gaben an, sich ernsthafte Existenzsorgen zu machen. Im vierten Quartal 2003 waren es erst 6,3 Prozent. (dapd)

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