Aktualisiert 18.12.2008 15:56

Deutschland darbtSchlechteste Stimmung seit 26 Jahren

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so schlecht wie seit 26 Jahren nicht mehr. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel zum siebten Mal in Folge und zwar von 85,8 auf 82,6 Punkte.

Einen ähnlich niedrigen Wert habe es zuletzt in der zweiten Ölkrise 1982 gegeben, wie das Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag mitteilte. Die pessimistischen Erwartungen der vergangenen Monate seien Realität geworden, sagte ifo-Experte Klaus Abberger. «Der Industrie geht es immer schlechter.»

Die weltweite Rezession treffe die exportabhängigen deutschen Unternehmen schwer und ihre Personalpläne signalisierten Beschäftigungsabbau. «Sie erwarten, dass sich die Geschäfte noch schlechter entwickeln», sagte Abberger. «Das Problem ist, dass diese Rezession sehr viele Länder erwischt.»

Erwartungen bleiben im Keller

Die Verschlechterung der Geschäftslage bei den 7.000 befragten Unternehmen bestimme den Abwärtstrend bei der Gesamtstimmung, erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. «Hinsichtlich der Entwicklung in den nächsten sechs Monaten sind die Befragungsteilnehmer nahezu unverändert skeptisch», erklärte er weiter.

Der ifo-Teilindex zu den Erwartungen der kommenden Monate fiel von 77,6 auf 76,8 Punkte und damit auf den schlechtesten Stand seit den 70er Jahren. Der Lage-Index brach um 6,1 Punkte auf 88,8 Punkte ein. Ähnlich schlecht hatten die Unternehmen ihre Situation zuletzt im Herbst 2003 eingeschätzt. Analysten hatten einen weniger starken Einbruch des Geschäftsklimaindex erwartet.

Privater Konsum und Baugewerbe stabil

«Der regelrechte Einbruch der Lagekomponente zeigt, dass die Rezession die deutschen Unternehmen mit voller Wucht erreicht hat», schrieb ein Analyst der NordLB. Die ifo-Forscher erklärten, der Abschwung habe vor allem die Hersteller von Export- und Investitionsgütern erfasst. Das Baugewerbe und auch der Einzelhandel seien bislang weniger getroffen.

Das Weihnachtsgeschäft verlaufe weder schlecht, noch bringe es grosse Impulse, meinte Abberger. «Der Konsum setzt zwar nicht zu Höhenflügen an, wirkt aber doch stabilisierend.» Die Erwartungen des Einzelhandels im kommenden halben Jahr seien verhalten. Einerseits hätten die Menschen durch die gesunkene Inflationsrate mehr Geld zur Verfügung, andererseits drohe Stellenabbau. «Da muss man mal schauen, was überwiegt», sagte Abberger.

Das Geschäftsklima in der Baubranche blieb der ifo-Umfrage zufolge stabil. Die Branche werde von Konjunkturpaketen, etwa durch öffentliche Investitionen profitieren, sagte Abberger.

In seiner jüngsten Konjunkturprognose hatte das ifo-Institut für das kommende Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent vorausgesagt. Die Münchner Forscher sehen Deutschland in den kommenden zwei Jahren in einer tiefen Rezession mit vier Millionen Arbeitslosen. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet für das kommende Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 1,9 Prozent. Ab 2010 werde das Wachstum wieder bei 1,5 Prozent liegen, prognostizierte das IWH.

Wirtschaftsforscher raten zu Abgabensenkungen

Ifo-Experte Abberger forderte zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums Senkungen bei Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialabgaben. Zu Jahresbeginn dürften die Rückerstattungen aus der Pendlerpauschale positive Effekte bringen, meinte Abberger.

Die Europäische Zentralbank müsse den Leitzins weiter senken. Die Gefahr einer Deflation sehe er derzeit nicht, sagte Abberger. Trotz Preisrückgängen bei Energie fielen die Preise nicht auf breiter Front. (dapd)

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