Doping-Vorwürfe: Schleck sieht sich als «Opfer einer Vergiftung»
Aktualisiert

Doping-VorwürfeSchleck sieht sich als «Opfer einer Vergiftung»

Nach der «anormalen» A-Probe beantragt Fränk Schleck die Öffnung der B-Probe. Fällt diese auch positiv aus, hat er wie viele andere Radprofis schon eine Ausrede bereit.

von
heg

Fränk Schleck und die Tour de France, das ist seit Mittwochabend Geschichte. Nachdem bekannt wurde, dass dem Luxemburger eine «anormale» Dopingprobe entnommen wurde, verliess der 32-jährige Bruder des letztjährigen und nachträglichen Tour-Siegers Andy die Grande Boucle. Nun kämpft Schleck um seinen Ruf.

«Ich dementiere die Einnahme von allen verbotenen Substanzen. Ich habe keine Erklärung für das Testergebnis und beantrage deshalb die Öffnung der B-Probe. Das ist mein Recht», so Schleck in seiner persönlichen Stellungnahme. Er hat auch schon eine Ausrede zur Hand, falls die B-Probe ebenfalls positiv ausfällt. «Wenn die Analyse das erste Ergebnis bestätigt, argumentiere ich damit, dass ich Opfer einer Vergiftung wurde.»

Bruder Andy glaubt ebenfalls an die Unschuld von Fränk. «Auf mein Leben und meine Familie, ich bin sicher, dass er nie etwas genommen hat», so der jüngere der Schleck-Profis zu «L'Essentiel».

Gleiches Argument wie Kolobnew?

Schleck wurde bei der Urinprobe am 14. Juli das Diuretikum Xipamid nachgewiesen. Diuretika haben keine direkte leistungssteigernde Wirkung, werden aber in Radsport häufig verwendet, um Dopingmittel zu verschleiern. «Diuretika spülen andere Präparate aus dem Körper», erklärt Helge Riepenhof, Teamarzt bei Omega Pharma-Quick Step. «Die Gabe ist ansonsten kontraproduktiv, weil Diuretika dem Körper Flüssigkeiten entziehen und damit Minerale.»

Ein Diuretikum war an der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt auch bei Alexander Kolobnew entdeckt worden. Zwar wurde der Russe danach aus dem Rennen genommen, doch um eine Sperre kam er trotz eines Rekurses der UCI herum. Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) sprach ihn frei. Kolobnew rechtfertigte die Einnahme des Diuretikums mit medizinischen Gründen. Ein Weg, den auch Fränk Schleck einschlagen könnte.

RadioShack-Nissan kommt nicht zur Ruhe

Das Team RadioShack-Nissan, für das auch Fabian Cancellara fährt, steht seit längerer Zeit in den Schlagzeilen. Die Fahrer sollen die Löhne nicht rechtzeitig erhalten. Cancellara und die Schleck-Brüder sind nun aktiv geworden. «Es hat uns natürlich überrascht, dass sich die Schlecks und Fabian Cancellara bei der UCI beschwert haben», sagt Carlo Rock, Vertreter des Teambesitzers Flavio Becca, gegenüber der «Süddeutschen Zeitung». «Und Jakob Fuglsang hat uns sogar verklagt, die Sache ist bei Gericht», so Rock weiter.

Teambesitzer Becca hat offenbar finanzielle Schwierigkeiten. Der 50-jährige Bauunternehmer aus Luxemburg soll gemäss einer unabhängigen Wirtschaftsprüfung für eineinhalb Geschäftsjahre bis Ende 2011 7,6 Millionen Euro Schulden haben. Der Aufbau des Teams habe erwartete Defizite erzeugt, sagte der Baulöwe.

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