Diepoldsau SG: Schlepper im Rheintal – Polizei kommt nicht
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Diepoldsau SGSchlepper im Rheintal – Polizei kommt nicht

Eine Schweizerin lud zwei dunkelhäutige Männer ins Auto und brachte sie bei Diepoldsau SG in die Schweiz. Laut Behörden kein Einzelfall.

von
mlü
Eine Rheintaler Familie beobachtet, wie eine Schweizerin zwei Männer in Vorarlberg ins Auto steigen lässt und über den unbewachten Grenzübergang bringt.

Eine Rheintaler Familie beobachtet, wie eine Schweizerin zwei Männer in Vorarlberg ins Auto steigen lässt und über den unbewachten Grenzübergang bringt.

Es ist Sonntagnachmittag und eine Rheintaler Familie ist gerade beim Spaziergang, als sie Zeugen eines Schlepperei-Falls wurden. «Eine Schweizer Frau lud zwei sichtlich erfreute dunkelhäutige Männer in ihr Auto und brachte sie über den unbewachten Grenzübergang Diepoldsau in die Schweiz», erzählt der Familienvater gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag».

Die Familie notiert sich das Berner Kennzeichen und verständigt die Polizei. «Doch der Beamte sagte nur, dafür hätten sie jetzt keine Kapazität und ausserdem hätten sie solche Fälle jeden Tag zu Hunderten», erzählt der Rheintaler schockiert.

Polizei widerspricht

Bei der Polizei sieht man die Sache nicht ganz so dramatisch. «Wenn der Beamte das so gesagt hat, ist das deutlich übertrieben», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Solche Fälle werden laut Krüsi zurzeit nicht öfter gemeldet. Bei entsprechenden Meldungen geht die Polizei der Sache selbstverständlich nach. Wie Krüsi gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag» sagt, hat man das im konkreten Fall wohl wegen Personalmangel versäumt. «Die Kantonspolizei geht täglich zwischen 150 und 260 Fällen nach. Je nach Vorkommnissen kann man aber nicht wegen eines verdächtigen Autos alles stehen und liegen lassen», so Krüsi.

Als Schlepper mache man sich zwar strafbar, aber laut Krüsi sind die Grenzen zwischen Schlepper und unfreiwilligem Fluchthelfer oft heikel. «Wenn Sie im Internet eine Mitfahrgelegenheit von Berlin nach Mailand anbieten für 50 Euro oder wenn Sie einen Autostopper mitnehmen, sind Sie dann ein Schlepper?»

Roman Dobler, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen, verweist auf den Artikel 116 im Ausländergesetz. Hier heisst es: Förderung der rechtswidrigen Einreise wird mit bis zu einem Jahr Freiheitsentzug oder einer Geldstrafe geahndet. Wer sich aufgrund von Schlepperei bereichert, kann mit einer fünfjährigen Freiheitsstrafe belangt werden. «Wenn das Grenzwachtkorps einen Schlepper in Begleitung illegaler Personen feststellt, wird die Kantonspolizei gerufen. Diese nimmt die Personalien auf und die Leute fest. Die Staatsanwaltschaft eröffnet gegen den Schlepper ein Verfahren», so Dobler.

«Es wird nicht möglich sein, die gesamte Grenze zu überwachen»

Bei der Eidgenössischen Zollverwaltung spürt man den Druck an der Grenze laut Stabsadjutant Attila Lardori schon seit 2011. In der Grenzwachtkorps-Region III, die die Kantone St. Gallen, beide Appenzell, Graubünden, Glarus und das Fürstentum Liechtenstein umfasst, habe der Druck seit etwa Juni, Juli 2015 zugenommen. «Wir haben bereits Personal aus anderen Regionen an die Ostgrenzen verlegt. Es wird jedoch nicht möglich sein, die gesamte Grenze zu Österreich (180 km) lückenlos zu überwachen», so Lardori. Von Januar bis August wurden in der Grenzwachtregion III 1596 rechtswidrige Aufenthalte festgestellt. 105 Personen wurden in diesem Jahr mit Verdacht auf Schlepperei erfasst.

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