Betäubungsmittel: Schlepper lassen Flüchtlinge Diesel trinken
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BetäubungsmittelSchlepper lassen Flüchtlinge Diesel trinken

Schlepper verabreichen Flüchtlingen Treibstoff, um sie ruhigzustellen. Das haben Ärzte nachgewiesen. Es ist nicht die einzige brutale Methode.

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ofi
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Die Zahl der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa (primär Griechenland und Italien) gelangen, hat 2016 gegenüber dem Vorjahr deutlich abgenommen. Bis Ende November waren es laut der Internationalen Organisation für Migration 345'440 Menschen. Zur gleichen Zeit waren es im Vorjahr total über 883'000 Menschen.

Die Zahl der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa (primär Griechenland und Italien) gelangen, hat 2016 gegenüber dem Vorjahr deutlich abgenommen. Bis Ende November waren es laut der Internationalen Organisation für Migration 345'440 Menschen. Zur gleichen Zeit waren es im Vorjahr total über 883'000 Menschen.

/dan Kitwood
Gestiegen ist dagegen die Zahl der Menschen, die auf der Überfahrt ums Leben kamen. Die IOM beziffert die Opfer auf total 4655. Davon starben 4100 auf der Route zwischen Libyen und Italien, die dieses Jahr mehr genutzt wird als 2015.

Gestiegen ist dagegen die Zahl der Menschen, die auf der Überfahrt ums Leben kamen. Die IOM beziffert die Opfer auf total 4655. Davon starben 4100 auf der Route zwischen Libyen und Italien, die dieses Jahr mehr genutzt wird als 2015.

/Dan Kitwood
Die News-Site «The Daily Beast» hat über die brutalen Methoden der Schlepper berichtet, um die Flüchtlinge vor die Überfahrt ruhig zu stellen. So haben Ärzte bewiesen, dass den Menschen unter anderem Diesel zu trinken gegeben wird, um sie zu betäuben.

Die News-Site «The Daily Beast» hat über die brutalen Methoden der Schlepper berichtet, um die Flüchtlinge vor die Überfahrt ruhig zu stellen. So haben Ärzte bewiesen, dass den Menschen unter anderem Diesel zu trinken gegeben wird, um sie zu betäuben.

/Dan Kitwood

Dutzende, oft Hunderte Menschen werden eng zusammengepfercht in klapprigen Schiffen von Nordafrika aus Richtung Italien über das Mittelmeer geschickt. Um den Flüchtlingen die Angst zu nehmen und Panik zu verhindern, ist den Schleppern offenbar jedes Mittel recht.

Ein kurzes, in medizinischer Fachsprache verfasstes Dokument von Ärzten des Universitätsspitals München liefert den Beweis für eine besonders rücksichtslose Methode: Flüchtlinge werden gezwungen, vor der Überfahrt Diesel zu trinken, der sie betäuben soll, wie die Newsplattform «The Daily Beast» schreibt.

«Zünd bloss kein Streichholz an»

Der Verdacht, dass Flüchtlinge Diesel oder Benzin trinken müssen, bestand schon länger. Immer wieder hatten Menschen Hilfsorganisationen davon berichtet. Im italienischen Dokumentarfilm «Fuocoammare» gibt es sogar eine Szene, in der ein Beamter, der Flüchtlinge registriert, in Anspielung auf den Benzingeruch sagt: «Zünd bloss kein Streichholz an, sonst fliegen wir alle in die Luft.»

Der Trailer zum Dok-Film «Fuocoammare». (Video: Youtube)

Halb verhungert aufs Schiff

Bei drei Männern unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Ländern, die mit verschiedenen Schiffen nach Europa gelangt sind, hatten die Münchner Ärzte eine Kohlenwasserstoff-Lungenentzündung festgestellt und diese auf das Trinken von Diesel zurückführen können. Bei einem der Männer wurde zudem ein schwerer Befall mit Fadenwürmern, einem Darmparasiten, nachgewiesen. Der 18-jährige Eritreer starb an multiplem Organversagen.

Auch das ist nach Aussage von verschiedenen Flüchtlingen eine gängige Methode der Schlepperbanden, um die Menschen zu schwächen. Wie «The Daily Beast» schreibt, gehört es zum Standard, dass die Flüchtlinge vor der Verschiffung ausgehungert werden, damit sie einerseits schwach sind und andererseits während der Fahrt der Verdauungstrakt leer ist. «Ich habe drei Tage lang nichts gegessen, bevor wir auf ein Schiff gebracht wurden», berichtete eine Frau aus Nigeria.

Schockierende Informationen hat die Nachrichtenseite auch über den Umgang mit Schwangeren erhalten. So sollen den Frauen mit Gewalt behelfsmässige Katheter eingeführt werden, weil die Männer glauben, der Urin von Schwangeren würde die anderen vergiften.

Aktuelle Zahlen (Stand 22. Nov. 2016)

168'000 in Italien angekommen. Zur gleichen Zeit waren es im Vorjahr total über 883'000.

Trotz dieses Rückgangs ist die Zahl der Menschen, die bei der Überfahrt ums Leben gekommen sind, deutlich angestiegen. 4655 ist laut IOM die aktuelle Ziffer, gegenüber 3557 im Vorjahr. Allein rund 4100 sind auf der Route zwischen Libyen und Italien verunglückt, fast 90 Prozent aller Fälle.

Verschiebung hin zur Libyen-Italien-Route fest. Fast 17 Prozent mehr Menschen haben bisher Italien erreicht als zur gleichen Zeit 2015.

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