Tödliche Überfahrt: Schlepper prügelten Flüchtlinge zu Tode
Aktualisiert

Tödliche ÜberfahrtSchlepper prügelten Flüchtlinge zu Tode

Überlebende des Flüchtlingsunglückes berichten von massiven Misshandlungen durch die Schleuser. Noch vor der Abfahrt des Schiffes liessen etliche ihr Leben.

von
cho
1 / 36
Der verhaftete Kapitän des gesunkenen Flüchtlingsschiffs: Der 27-jährige Tunesier Mohammed Ali Malek.

Der verhaftete Kapitän des gesunkenen Flüchtlingsschiffs: Der 27-jährige Tunesier Mohammed Ali Malek.

Keystone/AP/Alessandra Tarantino
Polizeibild von Mohammed Ali Malek. Der 27-Jährige wurde von den italienischen Behörden festgenommen.

Polizeibild von Mohammed Ali Malek. Der 27-Jährige wurde von den italienischen Behörden festgenommen.

AFP/Italian Police
Sein mutmasslicher Gehilfe: Der 26-jährige Syrer Mahmud Bikhit.

Sein mutmasslicher Gehilfe: Der 26-jährige Syrer Mahmud Bikhit.

Keystone/Alessandro di meo

Laut der Staatsanwaltschaft im italienischen Catania erzählten einige der 26 überlebenden Migranten am Donnerstag, die Menschenschmuggler hätten noch auf dem libyschen Festland mehrere Menschen zu Tode geprügelt und mindestens einen Minderjährigen exekutiert. Beim womöglich schwersten Unglück im Mittelmeer seit Jahrzehnten waren am Sonntag rund 800 Menschen ums Leben gekommen.

Laut den Ermittlern sagten die Überlebenden aus, 1000 bis 1200 Menschen seien vor der Abfahrt des Schiffes in einem leer stehenden Gebäude nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis festgehalten worden, wo mehrere uniformierte und bewaffnete Männer ein regelrechtes Terrorregime über sie ausgeübt hätten.

Mit Knüppel getötet

Jeder, der sich nicht an die Anweisungen der möglicherweise der libyschen Polizei angehörenden Männer gehalten habe, sei mit Knüppeln verprügelt worden, mehrfach mit tödlichem Ausgang, erzählten die Flüchtlinge den Ermittlern. Andere seien an Krankheit oder Erschöpfung gestorben.

Vor der Abfahrt wurden die Flüchtlinge mit einem Lastwagen zur Küste gebracht, wo die Uniformierten offenbar von der Schiffsbesatzung bei der Übergabe Geld ausgezahlt bekamen. Mit Schlauchbooten wurden die Migranten anschliessend zu dem wartenden Fischtrawler gebracht. Ein Knabe, der unaufgefordert in eines der Schlauchboote geklettert war, sei von den Schleusern getötet und seine Leiche über Bord geworfen worden, berichtete einer der Überlebenden.

Laut den Ermittlern zahlten die Flüchtlinge zwischen 1000 libyschen Dinar (630 Franken) und umgerechnet 6500 Franken für die Überfahrt. Am Schiff angekommen wurden diejenigen, die weniger gezahlt hatten, in den Laderaum oder die Unterdecks geschickt, die anderen durften weiter oben Platz nehmen. Die überlebenden Flüchtlinge stammten unter anderem aus Mali, Eritrea, Bangladesch, Somalia und dem Senegal. (cho/sda)

Deine Meinung