Suezkanal: Schlepper, Saugbagger und der Mond sollen die «Ever Given» befreien
Publiziert

SuezkanalSchlepper, Saugbagger und der Mond sollen die «Ever Given» befreien

Die Bergungsversuche für das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff «Ever Given» kommen voran – aber nur langsam. Nun hoffen die Rettungskräfte auf den bevorstehenden Vollmond.

1 / 2
Spezialisten arbeiten daran, das gestrandete Containerschiff «Ever Given» zu befreien.

Spezialisten arbeiten daran, das gestrandete Containerschiff «Ever Given» zu befreien.

AFP/Maxar Technologies
Die Flut soll am Samstag wegen des bevorstehenden Vollmonds bis zu 50 Zentimeter höher sein als normal. Das würde die Bergung des Schiffs erleichtern.

Die Flut soll am Samstag wegen des bevorstehenden Vollmonds bis zu 50 Zentimeter höher sein als normal. Das würde die Bergung des Schiffs erleichtern.

REUTERS

Darum gehts

  • Spezialisten arbeiten daran, das Heck des Schiffs «Ever Given» im Suezkanal freizubekommen.

  • Mittlerweile sind mindestens zehn Schlepper im Einsatz

  • Der bevorstehende Vollmond sollte bei der Bergung helfen.

Bei den Bergungsversuchen für das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff hat es offenbar leichte Fortschritte gegeben. Spezialisten seien ein wenig damit vorangekommen, das Heck der «Ever Given» freizubekommen, teilte der Kanaldienstleister Leth Agencies am Samstag mit. Man setze auf eine Kombination aus schweren Schleppern, Saugbaggern und der Springflut, sagte der Chef der niederländischen Bergungsfirma Boskalis, Peter Berdowski. Die Flut werde am Samstag wegen des bevorstehenden Vollmonds bis zu 50 Zentimeter höher sein als normal.

Laut Berdowski steckt das Schiff mit dem Bug im lehmigen Sand des Ufers fest. Am Heck sei es nicht ganz so schlimm. «Das ist positiv, weil Sie das hintere Ende benutzen können, um es freizuziehen», sagte er in der niederländischen Fernsehsendung Nieuwsuur. Nun seien zwei Schlepper auf dem Weg in den Kanal. «Wir hoffen, dass die Kombination aus den Schleppern, die wir dort haben werden, mehr weggebaggertem Grund und der Flut ausreichen wird, um das Schiff irgendwann Anfang nächster Woche freizubekommen», so Berdowski. Falls das nicht reiche, müsste man hunderte Container abladen. Ein Kran dafür sei unterwegs.

Das Internet macht sich derweil weiter über die Situation mit der «Ever Given» lustig. Hier findest du die besten Memes dazu.

280 Schiffe sind blockiert

Das knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite Containerschiff war am Dienstag rund sechs Kilometer von der südlichen Zufahrt zum Kanal entfernt auf Grund gelaufen und hatte sich zwischen beiden Ufern verkeilt. Der ägyptische Ministerpräsident Mustafa Madbuli sprach von einem ganz ausserordentlichen Zwischenfall. Etwa 280 Schiffe warteten am Samstag bereits vor den beiden Kanaleingängen auf eine Durchfahrt. Nach einer Analyse von Schiffsdaten durch den Datendienstleister Refinitiv waren mehr als 100 weitere auf dem Weg dorthin. Andere nahmen bereits den Umweg um den afrikanischen Kontinent in Kauf.

Reedereichef Yukito Higaki sagte am Freitagabend, es seien mindestens zehn Schlepper im Einsatz. Am Ufer und am Grund des Kanals werde zudem nahe dem Schiffsbug Sand abgegraben. Man hoffe, dass die «Ever Given» freikomme, wenn das Wasser nach der Flut wieder sinke. Sollte das nicht funktionieren, müsse man Container abladen, damit sie leichter wird. Am Samstag sollte es mindestens zwei Versuche geben.

Techniker pumpen Wasser aus dem Schiff

Der Chef der Kanalbehörde, Osama Rabei, sprach von einer komplizierten Operation, für die mehrere Anläufe nötig seien. Medien wurden nicht in die Nähe des Frachters gelassen. Für Samstag war eine Pressekonferenz in Suez angekündigt. Das für die Technik auf der «Ever Given» verantwortliche Unternehmen Bernhard Schulte Shipmanagement erklärte, man wolle Ballastwasser aus dem Schiff pumpen, damit es leichter werde.

Der Suezkanal verkürzt die Fahrstrecke für Handelsschiffe zwischen Asien und Europa um mehrere tausend Kilometer. Durch die künstliche Wasserstrasse zwischen Mittelmeer und Rotem Meer laufen zehn Prozent des Welthandels. Weil das Ende der Havarie noch nicht absehbar war, haben Reedereien begonnen, ihre Frachter um das Kap der guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas herum fahren zu lassen, wie Satellitenbilder zeigen. Unter ihnen ist auch das Schwesterschiff der «Ever Given», die «Ever Greet».

(DPA/mur)

Deine Meinung

127 Kommentare