Erfolgreicher Polizeieinsatz in Österreich – Schlepper transportieren Migranten in «Horrorkisten»
Publiziert

Erfolgreicher Polizeieinsatz in ÖsterreichSchlepper transportieren Migranten in «Horrorkisten»

In einer Box an der Unterseite eines LKW wurden Migranten aus der Türkei entdeckt. Sie waren sechs Stunden so gereist. Viele waren unterkühlt und bewusstlos, als die österreichische Polizei sie kurz vor Wien fand.

von
Karin Leuthold
1 / 3
Am 22. Januar 2022 entdeckte die Polizei Niederösterreich mehrere Migranten, die in einer Kiste unterhalb eines Lastwagens von Rumänien nach Österreich geschmuggelt wurden.

Am 22. Januar 2022 entdeckte die Polizei Niederösterreich mehrere Migranten, die in einer Kiste unterhalb eines Lastwagens von Rumänien nach Österreich geschmuggelt wurden.

LKA NÖ
Die Menschen klagten über Atemnot, Unterkühlung und Bewusstlosigkeit und bezeichneten die beschriebene Paletten-Box als «Horrorkiste».

Die Menschen klagten über Atemnot, Unterkühlung und Bewusstlosigkeit und bezeichneten die beschriebene Paletten-Box als «Horrorkiste».

LKA NÖ
Der Lastwagenchauffeur wurde wegen des Verdachts der Schlepperei vorläufig festgenommen. Der 39-jährige Türke gestand während der Polizeibefragung, acht weitere ähnliche Schleppungsaktionen durchgeführt zu haben.

Der Lastwagenchauffeur wurde wegen des Verdachts der Schlepperei vorläufig festgenommen. Der 39-jährige Türke gestand während der Polizeibefragung, acht weitere ähnliche Schleppungsaktionen durchgeführt zu haben.

LKA NÖ

Darum gehts

  • Die österreichische Polizei hat ein Schleppernetzwerk aus der Türkei zerschlagen.

  • Die Bande versteckte Migranten in Palettenboxen, die unterhalb von Lastfahrzeugen angebracht waren.

  • Pro transportierter Person erhielt der LKW-Fahrer zwischen 15’000 und 16’000 Euro.

Nach einem Hinweis der deutschen Bundespolizei nahm das Landeskriminalamt Niederösterreich Ermittlungen gegen eine türkische Schlepperorganisation auf. Diese soll Migranten und Migrantinnen mit einem LKW von Rumänien über Ungarn nach Österreich bringen. Vor einigen Tagen hielt die Polizei Niederösterreich einen Laster bei einer Kontrolle auf einer Autobahn kurz vor Wien an. In einer Palettenkiste, die unter dem Sattelaufleger angebracht wurde, entdeckten die Beamten insgesamt acht türkische Staatsbürger.

Im Laufe der Ermittlungen hatten die österreichischen Behörden mit der deutschen Bundespolizei zusammengearbeitet. Dabei hatten die Sicherheitskräfte das für die Schleppungen verwendete Fahrzeug beobachtet. Am frühen Morgen des 22. Januars schlug die Polizei bei der Autobahnraststätte Rannersdorf zu. 

Schlepper war geständig

Mehrere Migranten wurden aus ihrer misslichen Lage befreit und befragt. Die Männer gaben übereinstimmend an, in Rumänien vom Lenker des LKW in der Palettenbox untergebracht und nach Österreich transportiert worden zu sein. Die geschleppten Personen klagten über Atemnot, Unterkühlung und Bewusstlosigkeit und bezeichneten die beschriebene Palettenbox als «Horrorkiste».

Aufgrund der Dauer des Transports von Rumänien nach Österreich von mindestens sechs Stunden und der vorherrschenden Aussentemperaturen von rund 0 Grad Celsius waren die Flüchtlinge stark unterkühlt und wurden unter anderem auch von den Abgasen des LKW bewusstlos. Die geschleppten Personen wurden allesamt festgenommen und stellten einen Asylantrag in Österreich.

Weiterer Mittäter in Graz verhaftet

Der Lastwagenchauffeur wurde wegen des Verdachts der Schlepperei vorläufig festgenommen. Der 39-jährige Türke gestand während der Polizeibefragung acht weitere ähnliche Schleppungsaktionen durchgeführt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt ordnete die Festnahme des Lenkers und seine Einlieferung in die Justizanstalt Wiener Neustadt an.

Derzeit werden weitere Ermittlungen gegen Mittäter geführt – insbesondere gegen den namentlich bekannten Auftraggeber, der sich in Österreich aufhält. Nach der Festnahme des Lenkers des LKW in Wien wurde auch die Festnahme eines 56-jährigen Mannes angeordnet. Der Beschuldigte ist türkischer Staatsbürger, wohnt aber in Graz. Er ist nicht geständig.

Bis zu 16’000 Euro pro Fahrt

Durch die bisherigen Ermittlungen konnten den beiden Beschuldigten zumindest acht Schleppungen von 35 bis 40 Personen türkischer Staatsangehörigkeit zugerechnet werden. Der Schlepperlohn pro Person belief sich zwischen 15’000 und 16’000 Euro.

Sämtliche Schleppungen fanden mittels eines eigens dafür verwendeten LKW-Sattelzugs statt. Die Reisen starteten in Arad, Rumänien. Die Flüchtlinge wurden dabei in der Palettenbox, die unter dem Sattel-Anhänger angebracht ist, versteckt, um das Risiko einer Entdeckung bei der Grenzkontrolle zu minimieren. Diese Box war eigens für den Transport von Flüchtlingen umgebaut worden.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Zwangsprostitution und/oder Menschenhandel betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung